Wie der Hund zum Namen kam…

Als ich Moppel vor einigen Jahren zum ersten Mal im Tierheim besuchte, dachte ich noch, dass sollte doch kein Problem werden diesen „blöden“ Namen zu ändern. Tatsächlich habe ich diese Idee jedoch schnell wieder verworfen: „Er hört ja so gut auf seinen Namen!“. Für diese Annahme gebe ich mir noch heute jedes Mal eine schallende, imaginäre Ohrfeige, wenn Moppel mal wieder auf Durchzug schaltet und meine Rufe vollkommen ignoriert, während er weiter Gras kaut, Kacke frisst oder mal wieder einen (seiner Meinung nach) „blöden Arschloch-Hund“ anpöbelt.

Seine ehemalige Besitzerin erzählte mir viel später, dass er als Welpe moppelig und tollpatschig war. Das Moppelige ist mit der Zeit verschwunden. Das Tollpatschige nicht. Aber der Name „Tollpatsch“ wäre ja noch blöder gewesen. Von daher kann ich über den Namen Moppel recht froh sein.

Mit der Zeit kam dann noch ein buntes Potpourri an Spitznamen dazu: Mopsi, Mops, Dicker, Stinker, Kurzer, das kleine Schwarze, Fußhupe, Plüsch und Muff-Piet. Dummerweise hört er mittlerweile auf manche Spitznamen besser, als auf seinen richtigen Namen. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, dass die Leute echt blöd gucken, wenn man „Muff-Piet komm her!“ quer übers Feld schreit.

Irgendwann zogen wir dann um. In ein Viertel, von dem wir dachten, dass hier nicht viele Hunde leben. Bereits am Umzugstag schrie uns der Ort ein lautes „Nöööööööööööö, is nich!“ entgegen. Gefühlt wohnen hier in jeder Wohnung mindestens zwei Hunde, die man mal mehr, mal weniger oft sieht. Moppel jedoch schien das gesamte System hier durcheinander zu werfen. Zunächst einmal ist er schwarz, was (unverständlicherweise) auf viele Menschen schon extrem furchteinflößend zu sein scheint. Zweitens gehört er mit einer Höhe von ca. 40 cm zu den größten Hunden hier im Viertel. Drittens kommt ein richtiger Bass aus seinem Maul, wenn er anfängt zu bellen. Während das ernst gemeinte Quietsch-Bellen der Chihuahuas von den Nachbarn mit einem „süüüüüüüüüüüüüüüüß“ quittiert wurde, so schien Moppel ihnen einen Schauer über den Rücken laufen zu lassen.

Der Spitzname „DIE SCHWARZE BESTIE“ kam tatsächlich von einer Nachbarin. Ich weiß um das Problem, dass Moppel andere Hunde nie geil finden wird, aber manchmal funktionieren alle Ausweichversuche nicht und man steht einem anderen Hundebesitzer direkt gegenüber. Ihr Hund starrte also Moppel in Grund und Boden und Moppel rastete aus. So richtig- mit Bellen (mit Bass)… Im Weitergehen hörte ich sie dann zu mir sagen: „Also diese schwarze Bestie. Erziehen sie die doch mal.“ und anschließend zu ihrem Hund „Ja du bist ein Guter. Das gefährliche Biest hat dir ganz doll Angst gemacht, du Armer“. Der Hund wirkte irgendwie nicht ängstlich. Zumindest machte er per Markieren erst einmal eine Ansage in unsere Richtung. Seitdem verzieht die Nachbarin jedes Mal das Gesicht, wenn sie uns kommen sieht und sagt entsprechend laut: „Da kommt die schwarze Bestie schon wieder.“ Wahlweise wird „Bestie“ auch durch „Vieh“ oder „Mistvieh“ ersetzt.

Uns egal- wir wohnen immer noch hier und gehen mehrmals täglich mit Moppel spazieren oder spielen oder was auch immer uns einfällt. Ihr Hund hingegen scheint einen so schlimmen Schock bekommen zu haben, dass wir ihn nur noch alle paar Monate mal sehen. Vielleicht hat er aber auch einfach mal einen der vielen Chihuahuas zu lange angestarrt – wer weiß das schon so genau.

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