Die liebe Nachbarschaft

Ganz Deutschland erzieht seine Hunde mit Rütter, Millan und Co. Ganz Deutschland? Nein! Ein Dorf im Zentrum des Landes leistet erbitterten Widerstand. Und wir wohnen dummerweise mittendrin.

Wie ich ja schon erzählt habe, wohnen wir in einem Dorf umzingelt von tausend anderen Hunden und deren, teilweise noch viel schlimmeren, Besitzer. Nachfolgend möchte ich einige Nachbarn vorstellen. Die Namen der Nachbarn kennen wir natürlich nicht und da diese ihre Hunde meistens ignorieren kennen wir auch nur selten die Namen der Hunde. Deswegen haben wir uns für jedes Hund-Mensch-Gespann eigene Namen ausgedacht.

 

Die Jack-Russell-Oma

Die Jack-Russell-Oma wohnt zwei Eingänge weiter und hat sich als erste an uns und die „schwarze Bestie“ getraut. Nur um uns dann ein Ohr abzukauen, dass sie ja auch schon immer Hunde hatte und wie ähnlich Moppel ihrem letzten Collie doch sieht. Moppel schien es egal. Immerhin hatte sie meistens Leckerlies dabei. Kurze Zeit nach unserem Einzug teilte sie uns dann mit, dass bald ein Jack-Russell-Welpe bei ihr einziehen würde und wie toll es doch wäre, wenn dieser dann mit Moppel spielen könnte. Unser erster Impuls war uns lachend auf dem Boden rumzukugeln. Stattdessen teilten wir ihr nur mit, dass Moppel andere Hunde doof findet. Bei genauerer Betrachtung hätte uns schon bei der Kombination Frührentnerin und Jack-Russell das Blut in den Adern gefrieren sollen. Es kam, wie es kommen musste. Die schwarze Bestie pöbelte den armen, kleinen Welpen einige Male an, damit ist die Schuldfrage ja eindeutig geklärt. Irgendwann schlug das Ruder um. Die kleine, schwarze Großklappe ist jetzt derjenige, der schnell zur Haustür rein will oder am liebsten auf den Arm klettern möchte, wenn der Jack-Russell um die Ecke biegt (Nur eine kleine Bemerkung am Rande: So viel zum Thema „Bestie“). Über die Begegnungen zwischen Moppel und Mira könnte man ein eigenes Buch schreiben.

Manchmal kommt Benni nicht vom Brötchen holen oder einkaufen wieder. Dann weiß ich, dass sie ihn erwischt hat. Sie erzählt ihm dann, dass ein zweijähriger Jack-Russell gar nicht so viel Bewegung braucht, wie man denken würde. Außerdem reicht die Runde um den Block, die sie alle 2 Stunden läuft und für die sie 1 Stunde benötigt, weil sie unterwegs Bekannte trifft, ja vollkommen aus. Einen Ball werfen kann sie nicht, wegen ihrem Rücken (Der Rücken droht übrigens jedes Mal in der Mitte durchzubrechen, wenn der Hund mal wieder mit Tempo in die Flexi-Leine rennt). Aber sie trainiert ja mit ihr so etwas Ähnliches wie Reizangel. Jedes Mal wenn sie wischt, darf der Hund den Mopp jagen.

Außerdem ist sie großer Cesar Millan Fan. An dieser Stelle möchte ich mich gar nicht weiter dazu äußern. Nur so viel: Das arme Tier wird regelmäßig rückwärts anderen Hunden zum Schnuppern hingeschoben. Dabei zittert Mira am ganzen Körper und ihre viel zu langen Krallen bohren sich in den Asphalt. Tatsächlich hatte sie auch mal für 2 Wochen eine „Rütter-Phase“. In diesem Zeitraum hat sie immer einen Futterbeutel mit sich rumgetragen. Ich bin allerdings nicht sicher, was sie damit getan hat. Der Hund hatte den Beutel anscheinend nie im Maul, denn ich weiß wie versifft ein Futterbeutel aussieht, wenn der Hund ihn nur einmal im Maul hatte.

Unser Lieblingssatz von ihr ist: „Die beiden muss man einfach nur mal zusammen lassen. Die klären das schon unter sich.“ Jedes Mal erklären wir ihr, dass das keine mögliche Variante ist während wir sie innerlich nur noch anschreien möchten. Ich bin mir sicher, jedes Mal wenn Moppel diesen Satz hört, verändert ein schwarzes Haar seine Farbe in grau. Anders kann ich mir seine graue Schnauze einfach nicht erklären.

 

Frau „Ohne Leine“

Frau „Ohne Leine“ wohnt einen Eingang weiter und hat einen kleinen plüschigen Hund (Sieht aus wie ein weiß-grau-schwarzer Malteser mit Locken). Sie ist anscheinend der Meinung, dass Hundeleinen gesundheitsschädlich für die Tiere sind.

Ein Beispiel dafür wie anstrengend das ist: Ich bin abends eine letzte Pullerrunde mit Moppel um den Block gegangen. Beim Losgehen warf ich noch einen Blick auf unsere Wasserspritzflasche, um aufdringlichen Hunden ihr Leben zu retten und dachte mir: „Es ist 23 Uhr. Wer sollte jetzt schon noch unterwegs sein?“ Ungefähr 50 m vor unserer Eingangstür sah ich, wie auf einmal im Eingang neben uns das Licht anging (Der Flur ist zum Innenhof komplett verglast) und ein Hund die Treppen runterrennt. Gefolgt von seiner Besitzerin. Ich habe das Elend kommen gesehen und bin mit Moppel schnellen Schrittes zu unserer Haustür. Zu spät. 20 m vor dem Ziel reißt die nette Dame ohne Rücksicht auf Verluste (Sie hätte mich sehen müssen, da ich unterschiedliche Licht-Bewegungsmelder auf meinem Weg aktiviert hatte.) und lässt ihren Hund bellend und keifend auf uns zu rennen. Dieses kleine Vieh (Entschuldigt diesen Ausdruck!) bleibt immer auf 2 m Abstand stehen. Gerade so weit weg, dass ihm nix passieren kann, aber doch so nah dran, dass es reicht um Moppel zum Ausrasten zu bewegen.

Was denkt ihr hat die Besitzerin gemacht? An dieser Stelle mal eine kurze Denkpause…dümdümdümdümdümdüm. Richtig! Die Antwort ist nix! Sie hat einmal kurz nach ihrem Hund gerufen. Hund kam nicht. Okay, dann geht sie halt ihrer Wege. Nach einer weiteren Minute viel dem dann auf, dass Mutti weg ist und ist ihr hinterher gerannt. Während dieser Zeit stand ich zwischen zwei pöbelnden Hunden und habe mich selbst verflucht, dass ich die Spritzflasche nicht mitgenommen habe.

Tatsächlich war dieser Vorfall keine Ausnahme sondern passiert genauso regelmäßig. Auf dem Parkplatz im Innenhof läuft dieser Hund immer ohne Leine und macht, was er will. Irgendwann jedoch, da bin ich mir sicher, werde ich meine Spritzflasche dabei haben und dann… bin ich ehrlich gesagt nicht ganz sicher ob ich Hund oder Besitzerin nass mache.

 

Der Mann mit den zwei Braunen

Auf der gegenüberliegenden Seite des Innenhofes wohnt ein Mann mit seinen zwei hellbraunen Chihuahuas (und seiner Frau). Grundsätzlich ist gegen ihn nix zu sagen. Er grüßt immer freundlich, wenn er uns sieht, versucht seine zwei Hunde so gut es an einer Flexi-Leine eben geht unter Kontrolle zu halten und man kann sich sehr gut mit ihm auf einige Entfernung verständigen, damit man sich mit den Hunden aus dem Weg geht.

Seltsam ist nur, dass er einzeln mit beiden Hunden spazieren geht. Jeden Tag, zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter. Einer der beiden Kleinen ist definitiv suizidgefährdet. Wir vermuten, dass dort ein Zusammenhang bestehen könnte. Anscheinend denkt er, er sei Rambo und geht auf alles los: Autos, Fahrradfahrer, Fußgänger, Hunde. Dabei strahlt er eine Überzeugung aus, dass man denken könnte: „Der Kleine beißt gleich mein Auto tot“.

 

Das war erst einmal die Vorstellung von drei von ganz viele Nachbarn mit Hund. Wie schon zu erkennen ist, machen die uns das Leben nicht sonderlich leichter. Vielleicht folgt irgendwann nochmal ein zweiter Teil dazu. Kommt ganz drauf an, wie viele Nachbarshunde die „schwarze Bestie“ übrig lässt. Muhahahaha….

 

 

 

 

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