Das Flexi-Leinen-Desaster

Sollte ich jemals graue Haare bekommen, dann kommen die definitiv von den vielen Flexi-Leinen-Benutzern aus der Nachbarschaft oder von Moppel. Das entscheide ich dann spontan. Egal wie, es trifft immer den Richtigen.

Vergangene Woche wollten wir zu dritt, nach Bennis Spätschicht, noch eine Abendrunde drehen. Wir kamen um die erste Ecke und dort kam uns der Jack Russell (zur Abwechslung mal mit Herrchen) entgegen. Wir mussten eine Weile an der Kreuzung warten, da der Hund im Gebüsch schnüffelte und nicht gut zu erkennen war. Was auch nicht gut im Dunkeln zu erkennen war, war die Flexi-Leine. Ich vermutete also, dass der Jack Russell nicht angeleint war, was natürlich auch schon häufiger vorgekommen war. Benni drehte mit Moppel wieder ab, um in eine andere Richtung zu laufen. In der Sekunde sah uns der kleine Terrier und machte bellend einen Satz nach vorn. Ich nahm sofort die Torhüter-Stellung ein, um im Notfall zu versuchen den kleinen Hund abzufangen, um Moppel irgendwie zu beschützen. Natürlich wäre es vollkommen nutzlos gewesen, weil ein Jack Russell schnell und wendig ist und dieses Exemplar mich wahrscheinlich eher in die Hand gebissen hätte, als sich aufhalten zu lassen. Glücklicherweise machte der Hund nach einigen Metern einen Rückwärtsflopp, was das Zeichen für einen gedrückten Stopp-Knopf ist.

Tatsächlich lief Moppel ganz am Anfang, als ich ihn aus dem Tierheim holte auch ab und zu an einer Flexi-Leine. Grund eins war, dass im Tierheim auch immer eine solche Leine genutzt und diese mir auch empfohlen wurde. Grund zwei war, dass ich die leise Hoffnung hatte, er würde so das an der Leine ziehen lassen. Auch das war eine vollkommen falsche Annahme. Er nutzte die 5 Meter voll aus und zerrte dann umso mehr. Außerdem hatte ich so keinerlei Kontrolle mehr über ihn. Er machte einfach was er wollte. Seit wir nur noch „normale“ Leinen nutzen fällt mir jedoch umso mehr auf, wie blöd Flexi-Leinen sind. 3 Dinge stoßen mir dabei besonders sauer auf.

 

Grund 1- Die Haltbarkeit

Wenn ich einen 60 kg Schäferhund an einer dünnen Flexi-Leine hängen sehe und dieser dann vorzugweise noch den tobenden Moppel anstarrt und zu allem Überfluss nur eine kleine, zierliche Person an der Leine hängt, dann kriege ich einen Puls von 200. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass ein so dünner Strick einen ausgewachsenen Hund halten kann. Schon gar nicht, wenn dieser ungebremst in das Ende der Leine brettert. Ein besonderes Beispiel ist hier, wie sollte es anders sein, der Jack Russell. Die Flexi-Leine von Mira besteht nur noch aus Knoten. Die haben unterschiedliche Gründe. Entweder der Hund hat die Leine durchgekaut oder die Leine ist gerissen oder die Knoten haben sich beim Festmachen vor dem Supermarkt gebildet und gehen nicht mehr raus. Wenn man nur einmal gesehen hat, wie dieser kleine Hund mit vollem Karacho in die 5 Meter Grenze brettert, dann ergibt sich das Problem der gerissenen Leine von ganz allein. Die Besitzerin sieht jedes Mal aus, als müsste man in der nächsten Sekunde einen Krankenwagen rufen, weil der Aufprall sie zu zerreißen droht. Mehr als einmal ist bei dem Aufprall auch schon Halsband oder Geschirr gerissen und der Hund war plötzlich freilaufend. Mein persönlicher Albtraum. Man kann sich ja selbst vorstellen (oder auch ausrechnen) wie hoch die wirkenden Kräfte bei einem nur 10 kg schwereren Hund wären.

 

Grund 2- Der Einfluss

Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist und der Hund kläffend an der ausgezogenen Leine hängt, dann kommt meist die Hund-Rückhol-Bewegung. Es sieht dann ein bisschen aus wie eine Übung aus dem Fitnessstudio. Vielleicht ist das auch der Grund für die Benutzung solcher Leinen- das Sparen der Fitnessstudio-Mitgliedschaft. Dummerweise hängt ja (zum Glück) meist nur ein 5 kg Hund an der Leine. Ob es sich hierbei also um eine effektive Übung handelt, mag ich stark bezweifeln. Meist muss ich meine tobende Bestie irgendwie vorbeischleifen, weil die Hunde außerhalb des Einflussbereiches ihrer Besitzer sind. Ein Flexi-Leinen Benutzer hat dann nicht viele Alternativen. Entweder der Hund kommt auf Abruf zurück (Hahahahaha, natürlich nicht. Zumindest habe ist das in unserem Dorf noch nie erlebt.) oder er nutzt die Hund-Rückhol-Bewegung oder er geht einen Schritt nach vorn, um schnell ein Stück Leine einzufahren, aber dann besteht die Gefahr, dass der Hund auch einen Sprung nach vorn macht oder der gemeine Flexi-Leinen-Nutzer bleibt einfach stehen und wartet bis die Gefahr vorüber ist. Das ist die beliebteste Variante. Die Frage ist jetzt allerdings: Was machen zwei Flexi-Leinen-Nutzer die aufeinandertreffen? Warten bis den Hunden langweilig wird und sie von allein wieder nach Hause wollen?

 

Grund 3- Die schiere Dummheit der Hundebesitzer

Achtung! Der folgende Abschnitt gilt nur für Erfahrungen aus besagtem Dorf in Thüringen.

Zur Abwechslung hat dieser Grund meiner Abneigung gegen Flexi-Leinen mal nix mit Moppel zu tun. Ich komme von der Arbeit nach Hause gefahren und biege in eine schmale Anliegerstraße ein, die hinter einer scharfen Kurve liegt. Auf dem Bürgersteig auf der rechten Seite sehe ich eine ältere Dame, die sonst immer mit ihrem Hund unterwegs ist. Auf der linken Seite, auf einer Grasfläche, sehe ich den besagten Hund fröhlich vor sich hin schnuppern. Auf den zweiten Blick erkenne ich eine Flexi-Leine, die quer über die Straße gespannt ist. Dummerweise kann ich solche Szenarien immer wieder beobachten mit unterschiedlichen Hunden und unterschiedlichen Besitzern. Aber immer mit Flexi-Leine. Eine „normale“ Leine ist erstens zu kurz, um über die ganze Straße zu reichen und zweitens viel besser zu sehen. Aber die nutzt hier ja keiner. Glücklicherweise musste noch kein Radfahrer die Bekanntschaft mit einer gespannten Flexi-Leine machen. Ich hoffe das bleibt auch so.

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