Der Tierarztbesuch

Jedes Jahr das Gleiche! Sie packen mich ins Auto und ich denke, dass wir irgendwohin zum Wandern fahren, aber wo landen wir stattdessen? Beim Tierarzt! Diese Tierquäler.

Gestern war es wieder soweit. Ich bin noch voller Vorfreude ins Auto gesprungen, aber dann überkam mich so ein seltsames Bauchgefühl. Normalerweise meldet sich mein Bauch ja nur, wenn er Hunger hat- und das hat er immer, aber gestern war irgendwas komisch? Warum wollten sie die Leberwursttube aus dem Kühlschrank mitnehmen? Die gibt’s doch nur ganz selten. Warum haben sie den Futterbeutel stehen lassen? Wir üben doch jedes Mal beim Spaziergang irgendwas. Warum hat Tina das gelbe Heft in ihre Tasche gesteckt? Normalerweise liegt das Heft nicht da und wenn es zum Spaziergang geht, lässt Tina ihre Tasche zu Hause. Alles sehr merkwürdig. Und dann war da noch dieser Geruch. In meiner Box sehe ich ja nichts, aber es roch definitiv nicht nach einer typischen Wanderrunde. Aber diesen Geruch kannte ich doch- die Tierarzt-Route. Verdammt! Als es mir auffiel habe ich alles versucht, um mein Leben zu retten. Geschrien habe ich, als würde mein Leben davon abhängen- tut es ja auch.

Zum Glück darf ich immer im Auto oder vor der Tür warten. Im Wartezimmer würde ich es nicht aushalten. Zu viele Hunde, die mir viel zu nah kommen, doof glotzen oder einfach nur anwesend sind. Und Katzen- die machen mir fürchterliche Angst. Außerdem riecht es nach Hunden, die ich nicht leiden kann, Krankheit, Tod und Spritzen. Rein geht’s dann immer für mich durch den Hintereingang. Durch die Vordertür geht’s nur selten- meistens wenn ich tief und fest schlafe. Das Tolle an der Hintertür ist, dass dort manchmal ein Futternapf auf dem Boden steht. Keine Ahnung, was für Futter das war, aber ich hab erstmal einen großen Happs genommen. Das war ja schließlich meine Henkersmahlzeit. Benni brauchte ganz schön viel Kraft, um mich da wegzuzerren. Er sagt, ich kann nicht einfach fremdes Futter fressen. Warum denn nicht? Welches Tier bei Verstand lässt denn einen vollen Napf zurück?

Im Behandlungszimmer hat dann das nächste Grauen auf mich gewartet- der alte Tierarzt. Vor dem habe ich fürchterliche Angst. Den kann ich gar nicht leiden und belle ihn jedes Mal an. Der junge Tierarzt gefällt mir viel besser. Der hat mir mal mein Leben gerettet. Seitdem darf er mich auch untersuchen. Das Beste ist aber, dass ich von ihm hinterher immer Futter bekomme. Ich soll es ihm aus der Hand fressen, aber wenn er nicht hinguckt stecke ich meinen Kopf in das Futterglas und hole mir, was ich will. Einmal wäre ich fast stecken geblieben. Naja, es gibt schlimmeres, als in einem Glas voller Futter stecken zu bleiben. Tina ist das immer fürchterlich peinlich, weil ich ihrer Meinung nach so „gierig“ bin. Na und? Sie ist mir auch oft peinlich.

Nach dem ersten Schreck ging es zum Wiegen. Ich muss sagen, dass ich ein bisschen Winterspeck angesetzt habe, aber das schadet meinem Adoniskörper kein bisschen. Danach musste ich auf den Tisch und wurde untersucht. Tina hat mich festgehalten und Benni hat meine Lefzen hochgezogen und dem Arzt meine Ohren gezeigt. Auf welcher Seite stehen die eigentlich? Tina hat ab und zu einen bösen Blick bekommen. Ich hoffe, sie hat durch mein Jaulen gemerkt, wie sehr ich leiden muss. Der Tierarzt hat mich in der Zwischenzeit abgetastet. Ich mag es nicht, wenn mich Fremde anfassen. Immerhin kam er zur Erkenntnis, dass ich ein kerngesunder und durchtrainierter Hund bin. Also bitte! Das hätte ich ihm auch so sagen können. Zum Schluss gabs dann noch die Impfe. Ich mag keine Spritzen. Die tun immer so weh. Aber ich habe mich zusammengerissen- wie ein echter Mann. Nur ein kleines Quieken ist mir entwischt. Sollen sie doch hören, wie sehr ich leiden muss.

Richtig schlimm wurde es aber erst hinterher. Als ich wieder auf dem Boden stand und nur noch weg wollte, ging es auf einmal um meine Wolfskrallen. Alle haben die Dinger an meinen Hinterbeinen angeglotzt. Da habe ich dann mal eine Ansage gemacht und erst wieder aufgehört, als ich sicher war, dass wir zum Ausgang wollen. Dass die die Dinger auch noch schneiden wollten war dann echt zu viel des Guten. Dann gings plötzlich um Amputation. Das heißt ja schon wieder Tierarzt und schon wieder Narkose. Dann sollen die Dinger lieber dran bleiben. Wenn sie sich mal verhaken bleibe ich einfach doof stehen und hoffe auf Hilfe. Wenn keine kommt, kann ich sie auch selbst lösen, aber man kann ja erstmal um Hilfe betteln.

Als wir fast am Auto waren, habe ich gesehen, dass Tina sich zwei Packungen in die Tasche gesteckt hat. Das heißt also, dass es demnächst wieder eine Tablette gibt. Ich weiß zwar nicht, wozu sie gut sind, aber sie schmecken. Am Anfang hat Tina sie immer zerkleinert und unter mein Futter gemischt. Total unnütz. Das habe ich ihr dann klar gemacht, als ich im Jahr darauf die Packung aus der Tasche geklaut und die Tablette einfach so gefressen habe. Da hat sie echt nicht schlecht geguckt. Seitdem nimmt sie die Tablette als Belohnung. Jetzt muss ich also auch noch dafür arbeiten- naja, dafür schmeckt sie so gut.

Gestern Abend dann wollten sich die beiden wieder bei mir einschleimen, weil ich wegen dem Tierarztbesuch böse war. Es gab Schweineleber und Hühnchenherzen. Zur Strafe habe ich die Schweineleber aussortiert und neben den Napf gelegt und nur die kleinen Herzen gefressen. Ätsch!

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