Unser erstes Date

Ich erinnere mich gerne an den Tag zurück, an dem ich Moppel das erste Mal traf. Von Liebe auf den ersten Blick kann ich leider nicht sprechen- zumindest wenn es nach ihm ging.

Ich war schon morgens fürchterlich aufgeregt und konnte die anderthalbstündige Anfahrt kaum aushalten. Meinen Vater hatte ich zur Verstärkung mitgenommen- schließlich musste der Hund ja auch mit Männern klar kommen.

Nach einigem Suchen, führte uns endlich jemand zu einem Zwinger, in dem ein kleiner, schwarzer, tiefergelegter Schäferhund stand und kläffte, was die Stimmbänder hergaben. Ich mochte dieses Fellknäuel sofort. Außerdem hatte ich Angst mich umzudrehen. Dort stand ein riesiger Schäferhund, der mir, dank leicht erhöhtem Zwinger, direkt in die Augen sehen konnte. Der war Fremden gegenüber auch nicht gerade freundlich gesonnen und schien schon gar nicht den schwarzen Plüschhund gegenüber leiden zu können.

Als wir endlich mit dem Betreuer und dem Hund das Gelände verlassen hatten, hörte das Gebell plötzlich auf. Stattdessen wurden wir nach allen Regeln der Kunst ignoriert. Ein bisschen hier schnüffeln, ein bisschen da pullern. Ich beobachtete das Schauspiel und dachte mir noch: „Der läuft ja richtig gut an der Leine. Der zieht nicht mal.“ So kann man sich täuschen. Schon jetzt hatte mich der Hund ein erstes Mal verarscht.

Nach einigen Metern Feldweg ließ uns der Betreuer allein mit Moppel. Lord Kacke musste an dieser Stelle doch mal nachgucken gehen, wer da nun an der Leine hing. Er kam vorsichtig angeschlichen und ließ sich nach allen Regeln der Kunst kraulen. Dabei brachte er uns auch gleich bei, wo wir ihn zu streicheln haben. An der Brust nämlich. Genau an der Stelle, wo das Fell schon so abgegriffen ist, dass sich ein weißes Fleck gebildet hat. Und weil wir das relativ schnell begriffen, schmiss er sich als Belohnung auf den Rücken und ließ sich auch noch den Bauch streicheln. Da ging mir natürlich das Herz auf! Wie kann etwas so süßes, flauschiges im Tierheim sitzen? Die Entscheidung war jetzt schon gefallen. Naja, um ehrlich zu sein, wusste ich schon, dass ich ihn haben will, als er mich angekläfft hat.

Auf dem Rückweg wartete ein bellender Hund hinter einem Zaun auf uns. Moppel interessierte das gar nicht. Ich dachte mir doch: „Geil. Mit anderen Hunden kann er auch gut.“ Zack, schon hatte mich das schwarze Biest ein zweites Mal verarscht.

Am liebsten hätte ich ihn gleich mit nach Hause genommen, aber ein Tierheim ist kein Ponyhof. Moppel musste zurück in seinen Zwinger und ich in ein dunkles, muffiges Büro, um mich nackig zu machen. Was mache ich beruflich? Wie gedenke ich die Tierarztkosten zu bezahlen? Warum will ich einen Hund? Warum gerade Moppel? Wie soll er bei mir leben? Werde ich ihn erziehen? (Mein Gedanke dazu: Klar. Wird doch eh nicht so viel Arbeit.) Nach einem Kreuzverhör, bei dem nur noch eine Schreibtischlampe fehlte, die mir ins Gesicht strahlt, wurde mir noch eröffnet, dass der Tierschutzverein bei mir kontrollieren muss, ob alles für den Hund vorbereitet ist. Vorsichtig schlich ich mich aus dem Büro. Das war eine reine Vorsichtmaßnahme, denn auf einem Sofa lag ein blinder Hund, der mich bereits die ganze Zeit angeknurrt hatte. Vielleicht hatte er auch nur versucht zu atmen. Das könnte ich verstehen. Mir fiel das Atmen auch nicht ganz so leicht.

Noch im Auto rief ich den ortsansässigen Tierschutzverein an, der noch am gleichen Tag vorbeikommen wollte. Zwischendurch spielte ich noch mit dem Gedanken, einfach nach einem Züchter zu suchen und mir einen Welpen zu kaufen. Aber nein, es musste Moppel sein.

Als die Damen vom Tierschutz kamen, war ich gerade einmal 15 Minuten zu Hause. Noch bevor sie zur Tür herein kamen, prasselte mir die erste Frage entgegen: „Was machen Sie, wenn Sie einen Freund finden, der keine Hunde leiden kann.“ Was soll man darauf antworten. Meine Antwort („Wenn er keine Tiere leiden kann, wird er wohl nicht der richtige sein.“) war es anscheinend nicht. Sie wurde nur mit einem „Das sagen Sie jetzt quittiert.“ Tatsächlich fand ich später einen Freund, der Hunde zwar toll findet, aber es beim Kennenlernen noch nicht wusste. Tierhaarallergiker gehen halt meist Tieren aus dem Weg.
Jedenfalls musste ich mich den ganzen Fragen vom Vormittag noch einmal stellen. Was ich bis dahin nicht wusste: Um wirklich gute Chancen auf ein Tier aus dem Tierheim zu haben sollte man ein großes Haus mit Garten haben, ein Auto entsprechend der Größe des Tieres, genügend Geld für Verpflegung und Tierarztkosten und natürlich viel Zeit. Kurz gesagt: Ein Hartz IV- Empfänger mit viel Geld und Haus. (Ich verstehe natürlich, dass die Tierheime besonderen Wert auf eine Kontrolle legen, um die Gefahr zu minimieren, dass das Tier wieder kommt. Ich denke aber auch, dass man nicht seinen Job kündigen muss, um ein Haustier haben zu können. Schließlich finanziert dieser Job ja das Haus mit Grundstück. Ich bin später mit Benni und Moppel in eine Mietwohnung gezogen. Bisher hat sich Moppel noch nie über zu wenig Auslauf beklagen müssen, denn man kann ein Tier auch ohne Garten auslasten.)
Am Ende der Kontrolle schien ich jedoch auch zu genügen. Es wurde noch ein Spalt unter der Carport-Einfahrt bemängelt und schon waren sie wieder verschwunden. Tatsächlich meldeten sie im Tierheim, dass alles zu ihrer Zufriedenheit war und eine Woche später konnte ich Moppel abholen.

Pfingsten 2013 fuhr ich allein in das Tierheim, um Moppel abzuholen. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, durfte ich zu ihm. Nachdem er mich mal wieder angebellt hatte, freute er sich mich zu sehen. Ich hatte extra Leckerlies dabei, um mich gleich einzuschleimen. Wahrscheinlich freute er sich mehr über das Futter als über mich.

Im Auto saß er angeschnallt auf dem Beifahrersitz, damit ich ihn im Blick hatte. Außerdem entschied ich mich für eine Heimfahrt über Landstraße, da ich nicht wusste, wie er das Autofahren verträgt und es immer schlecht ist auf der Autobahn rechts ran zu fahren, um einen kotzenden Hund aus dem Auto zu holen. Dummerweise hatte ich unterschätzt wie viele scharfe Kurven auf der Landstraße auf uns warteten. Moppel wackelte die ganze zweistündige Heimfahrt über hin und her.

Auch wenn unser Start in ein gemeinsames Leben etwas holprig war, bin ich froh damals nicht zum Züchter gegangen zu sein. Auch wenn Moppel ein kleines Arschloch ist und er mich bis zur Weißglut und noch weiter treibt, bin ich (meistens) froh ihn zu haben.

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