Die Gartensaison ist eröffnet!

Seit ca. einem Jahr sind wir die Pächter eines 500 qm großen Gartens in einer Kleingartenanlage ca. 1 km von unserer Wohnung entfernt. Bei der Übernahme war das gesamte Gelände in einem katastrophalen Zustand. Der vorherige Besitzer hatte in erster Linie die Gartenhütte genutzt, um dort fernzusehen, zu zocken oder sich zu betrinken. Überall stapelte sich der Müll.

Im vergangenen Jahr hat sich schon besonders viel getan, aber es gibt immer etwas zu tun. Ein besonderer Vorteil dieses Gartens ist der fruchtbare Boden. Das Grundwasser steht relativ hoch, was der Grund dafür ist, dass wir auch im Hochsommer nicht gießen müssen. Mit der Fruchtbarkeit hatten wir nicht gerechnet, was dazu führte, dass unsere mühsam angelegten Beete zu wucherten und das gesamte Gemüse zu einer großen Hecke mutierte.

Was hat das jetzt alles mit dem Hund zu tun? Sehr viel! Zunächst einmal bin ich trotz allem der Meinung, dass ein Hund weder Garten noch Haus braucht, um ausgelastet und glücklich zu sein. Ein Garten erleichtert die Auslastung aber oft. Manche Menschen übertreiben es dann und lassen den Hund nur mal eben kurz in den Garten zum Pullern oder überlassen ihn den ganzen Tag sich selbst. Das ist, meiner Meinung nach, aber nicht Sinn und Zweck der Sache. Wir haben uns in den letzten 12 Monaten einige Varianten überlegt, wie wir es schaffen, dass im Garten gearbeitet wird und der Hund am Ende trotzdem selig schnarcht.

Für den Weg zum Garten haben wir uns einen Bollerwagen gekauft. Wenn wir nur Kleinigkeiten zu transportieren haben, nutzen wir den Weg für einen Spaziergang. Auch wenn wir keine besondere Zugvorrichtung für den Wagen haben, so schaffen wir es über Zuggeschirr, Leine und Deichsel, dass der Hund den Bollerwagen zieht.

Vor Ort spielen wir dann meistens erst einmal eine Runde Ball. Moppel hat aus den Müllbergen drei Fußbälle aussortiert, die er anschließend vorsichtig zerbissen hat. Wahrscheinlich waren die Bälle auch das Wertvollste, was man finden konnte. Im Spiel wechselt er dann immer zwischen den Bällen, damit auch alle benutzt werden. Schließlich ist er auf Ordnung bedacht.

Danach darf er meistens ein bisschen umherstromern, während wir arbeiten. Die Zeit nutzt er, um meinen Dünger aufzufressen (Keine Angst, es handelt sich um Hornspäne, also Rinderfuß und ist weder giftig noch schädlich! Und ja, er sortiert das Zeug auch fein säuberlich aus der Erde wieder raus.) oder um Beeren zu klauen. Dabei pflückt er die Beeren ganz vorsichtig vom Busch ab oder sucht nach Exemplaren, die uns beim Pflücken abhandengekommen sind. Manchmal trägt er auch einfach seine Bälle durch die Gegend. Irgendwann wird ihm langweilig und dann kommt er auf dumme Gedanken. Variante eins: Er versucht Mäuse auszubuddeln. Bisher hatte er damit keine Erfolg, aber er macht riesige Löcher in den Rasen. Variante zwei: Er versucht uns zu einem Ballspiel zu überreden. Dabei wirft er uns den Ball vor die Füße und fängt fürchterlich an zu jammern. Variante drei: Er fängt an zu wachen. Er ist wahrscheinlich der schlechteste Wachhund der Welt. Für diesen Job ist er einfach viel zu paranoid und sieht und hört ständig Gefahren, wo gar keine sind. Er gestern hat er mir zwei Tauben angezeigt. Als ich kam und sie wegflogen, sagt sein Blick: „Natürlich wusste ich, dass das nur Tauben sind. Aber die können auch gefährlich sein.“

Das ist dann immer der Zeitpunkt, wenn er auf sein Kissen muss. Sein Kissen liegt auf einer Euro-Palette und wird momentan zu einer Art Hütte umgebaut, damit er nicht auf die Idee kommt von dort aus alles zu bewachen. Dort hält er dann auch gerne mal ein Schläfchen oder knabbert ein Rinderohr vor sich hin.

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Neben dem Ball spielen, denken wir uns regelmäßig neue Beschäftigungen aus, damit er nicht zu einem Ball-Junkie mutiert. Da wir beide keine großen Freunde von englischem Rasen sind, bieten sich Futtersuchspiele sehr gut an.  Dabei verteilen wir einfach zwei Hände voll Futter auf einer relativ großen Fläche und er darf dann suchen. Und wenn er ein Stück einen Tag später findet, dann freut er sich nochmal. Ansonsten probieren wir seit ein paar Tagen Aufgaben aus der Rallye Obedience oder andere Variationen, die seinem Grundgehorsam ein bisschen zu Gute kommen sollen. Ab und an bauen wir auch einen Distanzkreis mit kleinen Hindernissen auf. Diese Übungen findet er dann zwar blöd, aber er macht trotzdem mit. In Zukunft sollen dann in Eigenbau noch ein paar Agility- Geräte entstehen. Im Sommer füllen wir auch manchmal Moppels Pool mit Wasser. Obwohl er normalerweise Wasser toll findet, hat er da ein bisschen Angst- das liegt wahrscheinlich am sauberen Wasser. Wenn wir langsam mit ihm üben, geht er auch manchmal auf Leckerlie-Tauchstation. Das ist immer eine super Abkühlung!

Und dann gibt es da noch unseren Gartennachbar- irgendwie haben wir grundsätzlich mit Nachbarn kein Glück. Er ist Rentner und hat in der nahegelegenen Haftanstalt gearbeitet. Außerdem hat er mehrere Jahre Diensthunde ausgebildet und war im Hundesportverein, den er natürlich geleitet hat. Moppel findet ihn unheimlich. Völlig verständlich meiner Meinung nach. Erstens steht er immer urplötzlich hinter dem Zaun. Dabei ist er so leise, dass sich sogar Moppel trotz seiner Radartüten regelmäßig erschreckt. Zweitens beugt er sich dann nach vorne über den Zaun und redet auf den Hund ein. (Weiß man so etwas denn nicht, wenn man mit Diensthunden gearbeitet hat?) Drittens versucht er ab und an, ohne Vorankündigung einfach Moppel anzufassen. Dabei ist er so schnell, dass wir nicht reagieren können. Außerdem muss er sich dafür ja noch weiter über den Zaun beugen. Ich versuche dann immer krampfhaft mit dem Schwarzen Ball zu spielen, was bei 30°C im Schatten wirklich schwer werden kann, weil der Nachbar immer viel zu erzählen hat. Oder ich lege ihn irgendwo in meine Nähe und hoffe, dass der Nachbar die kleine Bestie nicht zum Zaun ruft. Außerdem düngen wir unsere Hecke immer gut, damit sie bald hoch genug ist, dass er sich nicht mehr über den Zaun beugen kann.

Alles in allem war die Entscheidung für den Garten auch ein bisschen im Sinne Moppels. Sonst würde uns wahrscheinlich auch die Hälfte der Fläche reichen. Natürlich ist er auch dort, trotz der Bespaßung, ein kleiner Spinner, der auch mal um sich bellt. Für uns ist der Garten ein Ort, wo sich ganz gut zwei Hobbys miteinander verbinden lassen. Zum einen rumbasteln, pflanzen und ernten. Zum anderen ein Ort, wo wir ohne große Ablenkung und Leine mit dem Hund was auch immer trainieren können. Und die viele Ernte ist ein wirklich positiver Nebeneffekt.

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