Eine Begegnung der anderen Art

Seit ich einen Hund habe, habe ich eine Abneigung gegen andere Hundemenschen (Ein lieber Gruß geht hiermit an alle, die ich nicht meine!). Das liegt zum einen daran, dass meine kleine schwarze Bestie andere Hunde nicht leiden kann. Zum anderen, habe ich das Gefühl, dass Hundemenschen gelegentlich extrem dumme Entscheidungen treffen. Wer meinen Blogeintrag zum Thema „Die liebe Nachbarschaft“ gelesen hat, kann hoffentlich meine Einstellung nachvollziehen.

Vor einigen Wochen hatte ich dann mal wieder so eine Begegnung, die mich in meiner Meinung bestärkt hat. Eigentlich wollte ich sie schon vor einiger Zeit mit euch teilen, aber ich wollte noch warten bis meine Wut auf die Dame etwas verraucht ist. Ist sie bis heute nicht. Ich möchte ihr noch jedes Mal, wenn ich sie sehe, den Kopf abreißen.

Es war an einem relativ sonnigen Morgen. Benni war schon auf Arbeit. Ich wollte eine viertel Stunde später als gewöhnlich los, da schon klar war, dass ich Nachmittag länger arbeiten sollte. Wie immer war ich etwas spät dran- morgens ist einfach nicht meine Zeit. Ich schnappte also Moppel, um mit ihm noch eine kurze Pullerrunde zu gehen. Unsere Wasser-Spritzflasche ließ ich stehen- wird schon nix passieren. Wie immer öffnete ich die Haustür, schaute nach links und rechts, die Luft war rein, Hund kam hinterher und wir gingen nach rechts. Noch bevor die Jack-Russell-Dame Moppel gesehen haben konnte (ca. 100m Luft zwischen beiden Hunden inklusive einer 1m hohen Hecke) startete sie voll los. Bei dieser Hündin wird meine schwarze Bestie ja regelmäßig zu einem handzahmen, ängstlichen Schoßhündchen, da er schon einige Male mitbekommen hat, dass die es wirklich ernst meint. Als drehte ich nach links ab. Ist ja egal in welche Richtung wir gehen, damit der Hund pullern kann.

Also gingen wir einige Meter, Moppel hob sein Bein und pullerte in aller Ruhe, im Glauben, dass alles in Ordnung sei. Als ich mich umsah (Der Hund braucht ja auch ein bisschen Privatsphäre beim Pullern.), bemerkte ich etwas kleines Weißes, was direkt auf meinen Hund zu rannte. Was macht man in einer solchen Situation als abgebrühter Hundebesitzer? Richtig, man zieht den eigenen Hund an der Leine zu sich (Was hätten Flexi-Leinen-Benutzer jetzt wohl getan?) und versucht sich zwischen ihn und den Angreifer zu stellen. Moppel entfleuchten noch 2 oder 3 verzweifelte Kläffer bevor er den Schwanz einzog und sich hinter mir versteckte. Ich sprang hingegen wie ein Flummi um ihn herum und gab alles, dass die zähnefletschende Dame unter keinen Umständen an ihn heran kam.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann auch mal die Besitzerin hinzu. (Die arme Frau kann ja nicht rennen, wegen ihrem kaputten Rücken.) Die schmiss als erstes ihre Flexi-Leine mitsamt dem aufgeplatzten Halsband nach ihrem Hund. Eine tolle Variante, den eigenen Hund anzulocken! Dann versuchte sie noch zwei Mal nach dem Jack-Russell zu greifen und gab völlig aus der Puste auf. So ein Jack-Russell kann halt ganz schön schnell sein. Gut, dass die nicht so viel Bewegung brauchen (Ihre eigene Aussage!), sonst wäre sie ja ständig außer Atem. Nach den missglückten Fangversuchen, fragte sie dann mich, was wir tun sollten. Ja woher zum Teufel soll ich das denn wissen? Ich arbeitete mich also dann rückwärts Richtung Hecke vor, damit Moppel wenigstens von einer Seite gesichert war. (Zum Glück kam die Angreiferin nicht auf die Idee, dass die Hecke gar nicht mal so dick ist.) Dann ging es Schritt für Schritt, immer um meinen Hund springend, Richtung Haustür. Jedes Mal, wenn ich dabei in die Augen dieser fürchterlich aggressiven, schwarzen Bestie blickte, fragten die mich, was er falsch gemacht hat und was er anders machen soll. Nebenbei gab er noch alles, die wütende Dame zu beschwichtigen, obwohl er nun wirklich nicht dafür bekannt ist, sich gerne mit anderen Hunden zu „unterhalten“. Ich ließ währenddessen ab und an eine Beleidigung gegen die Besitzerin fallen. Kurz vor der Haustür wollte ich noch einmal kurz auf die Idee kommen meinen Haustür-Schlüssel nach dem anderen Hund zu schmeißen, dann viel mir aber zum Glück noch ein, dass ich den brauchte, um die Tür zu öffnen, sonst würde ich dieser Situation wohl niemals entkommen.

In der sicheren Wohnung angekommen, musste ich direkt erst einmal alles Benni erzählen. Der hatte zum Glück gerade Frühstückspause und war direkt mit auf 180. Moppel saß mir dabei die ganze Zeit auf dem Schoß und dachte gar nicht daran, irgendwo anders hinzugehen. Nachdem sich alles ein bisschen gelegt hatte, kamen dann die Luftprobleme. Ich hatte seit Jahren keinen schlimmen Asthma-Anfall mehr. Ich konnte mich nur glücklich schätzen, dass ich zu Beginn jedes Jahres kontrolliere, dass genügend Asthma-Spray für Benni da ist,  wenn die Pollen-Saison losgeht. Mit einer Stunde Verspätung kam ich dann auch auf Arbeit an.

Als Benni dann am Nachmittag heim kam, recherchierte er als erstes den Namen der Jack-Russell-Oma, den wir bis dahin nicht kannten. Zum Glück reichte eine kurze Beschreibung (die Frau mit dem kleinen, weißen Hund, der immer bellt) bei einer Frau aus unserem Eingang, um genaue Informationen zu erhalten.

Die Jack-Russell-Oma hatte schon auf jemanden von uns beiden gewartet. Erstaunlicherweise zeigte sie sich einsichtig und fragte nach der Hundeschule, die wir besuchen. Benni war natürlich vorbereitet und holte schnell den Flyer, der schon seit Monaten in unserem Flur an der Pinnwand hängt. Als er zurückkam, war die Einsicht schon wieder verflogen. Sie konnte ja nix für das geplatzte Halsband, das war durch den Regen ganz aufgeweicht. (Dummerweise hatte es den ganzen Tag nicht geregnet, weder morgens noch in der Nacht zuvor und wir haben ähnliche Situationen schon mehrmals aus dem Fenster beobachten können.) Außerdem müssten die ja nur mal schnuppern. (Nein! Nein! Und nochmals nein!) Und sie wollte ja nix böses. (Zähnefletschende Hunde wollen nie etwas Böses.) Aber sie würde trotzdem mal dort in der Hundeschule anrufen. (Yeaaaaah! Einsicht ist der erste Weg zur Besserung!)

Tatsächlich rief sie an. Daran hätten wir niemals geglaubt. Dumm nur, dass sie erst einmal erzählte, wie gut ihr Hund erzogen sei:

  • Sie bettelt nie nach Essen. (Stimmt, sie klaut es direkt vom Tisch.)
  • Sie ist total gut leinenführig. (Stimmt, sie führt ihre Besitzerin an der Leine dahin, wo sie will.)
  • Sie ist immer abrufbar. (Einmal ist der Hund quer übers Feld gerannt, weil sie Benni gesehen hat- zum Glück ohne Moppel. Tatsächlich ist sie auf Signal stehen geblieben, als sie bei Benni angekommen war.)
  • Sie hört total gut. (Stimmt. Für genau 2 Sekunden, wenn ihr Futter in den Hals gesteckt wird.)

Anschließend versuchte sie nur der Trainerin den Satz zu entlocken, dass die beiden nur mal schnuppern müssen. (Franzi- es tut mir immer noch unendlich leid, dass sie dich angerufen hat. Ich habe da echt nicht dran geglaubt.)

Ich glaube, als Hundetrainer gibt es unendliche viele Momente, wo du einfach mal ausrasten möchtest, aber es dir verkneifst, weil du ja ein Dienstleister bist. Aber diese Frau hat es doch tatsächlich geschafft diesen Punkt zu überschreiten. Mal ehrlich- wie viele Menschen schaffen es, sich noch vor dem Erstgespräch am Telefon für ein Training zu disqualifizieren?

Jedenfalls erzieht die gute Frau ihren Hund jetzt nicht.

Die Moral von der Geschichte ist, dass wir Wasser-Spritzflaschen aufgerüstet haben und jetzt immer (damit meine ich wirklich absolut immer) eine dabei haben, um beim nächsten Mal (was hoffentlich nie kommt) etwas souveräner auftreten zu können.

Auch wenn ich immer noch eine fürchterliche Wut auf die Nachbarin habe, so tut es mir mittlerweile leid, dass ich so auf die arme, kleine Jack-Russell-Dame schimpfe und geschimpft habe. Ich glaube, dass sie eine fürchterlich nette Hündin ist, die leider mit ihrer Besitzerin voll in die Scheiße gelangt hat. Sie kennt keine Grenzen und hat deswegen leider blödes Verhalten entwickelt. Außerdem ist sie nicht einmal ansatzweise so ausgelastet, wie sie es bräuchte. Und auch, wenn ich fürchterlich unsouverän war, so habe ich versucht Moppel zu beschützen. Das würde jeder Hundebesitzer für seinen Hund tun. Ich glaube, der Jack Russell kennt ein solches Verhalten  und Fürsorge nicht. Das tut mir fürchterlich Leid für sie.

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