Was der Bauer nicht kennt, das frisst er trotzdem

Ich bin wirklich sehr dankbar, dass Moppel ein Hund ohne Allergien ist. Das erleichtert uns so einiges. Sonst wären wir wahrscheinlich regelmäßig beim Tierarzt, wenn er es mal wieder geschafft hat den Mülleimer auszuräumen und sich an den zahlreichen „Genüssen“ erfreut hat. Deswegen habe ich mich auch lange Zeit nicht mit dem Thema auseinander gesetzt. Der Hund war ja schließlich gesund.

Rückblick: Als ich Moppel im Tierheim abholte, dachte ich noch ich sei besonders schlau, weil ich nachfragte, welche Futter der Mitarbeiter empfehlen würde. Als Antwort bekam ich, dass das kleine schwarze Tier alles frisst, was er ja auch muss, weil die Mitarbeiter nie wissen, welches Futter sie als Spende bekommen. Außerdem sei das Futter im mittelpreisigen Bereich eh viel besser als das teure. Also ging ich los und kaufte einfach einen Sack Futter und Moppel schmeckte es. So gingen ein paar Jahre ins Land.

Irgendwann kamen wir beim wöchentlichen Einkauf ins Kaufland und das Futter wurde nicht mehr verkauft. Auch nicht irgendwo anders. Schöne Scheiße! Was macht man also? Man fragt die Hundetrainerin des Vertrauens, die unsere kleine Bestie eh schon in und auswendig kennt und hofft, dass sie eine gute Alternative hat.

Sie hat sich die Futterzusammensetzung angesehen und wahrscheinlich direkt erst einmal ein paar graue Haare bekommen. Jeder andere Trainer hätte uns wahrscheinlich initial den Kopf abgerissen. Erst hat sie uns erklärt, dass das Futter nur 30% Fleischanteil enthält und dann hat sie sich zu Tode geärgert, dass sie uns beim Erstgespräch nicht gleich danach gefragt hat. Zum Glück lebt sie noch. Wir haben dann zunächst einmal auf ein Trockenfutter ohne Getreide umgestellt und die Bestie in meinem Hund war nach einer Woche merklich geschrumpft. Auf einmal war der Hund viel ruhiger, hat sich nicht mehr so oft aufgeregt und aufnahmefähiger. Mal ehrlich- wie blöd waren wir eigentlich? Wir haben uns den Wolf trainiert und am Ende hilft eine kleine Futterumstellung.

Im Nachhinein habe ich mich natürlich über mich selbst geärgert, was ich meinem Hund da über Jahre angetan habe. Auch wenn ich mich oft über ihn beschwere, so will ich doch so lange wie möglich etwas von ihm haben und da ist es einfach wichtig, dass er gesund ernährt wird. Vor allem bei seiner seltsamen Körperform (sehr langer Rücken und viel Oberkörper auf viel zu kurzen Beinen) müssen Ernährung und Gewicht stimmen. Sein Gewicht hat ja gestimmt (spätestens als ich bei meinen Eltern ausgezogen bin) und deshalb habe ich mir auch nie groß weiter Gedanken gemacht.

Trotzdem wachsen ja irgendwie die Selbstvorwürfe. Deswegen ist in mir so langsam der Entschluss gereift zu Barfen. Diesmal sollte alles richtig gemacht werden. Absolut alles. Mit Futterplan und Beratung durch die Trainerin (Die Arme!) und Fleisch aus der Region, selbst im Laden abgeholt, um vorzubeugen, dass wir nicht da sind und das Futter auftaut. Der Futterplan war relativ schnell erstellt und durchgesprochen. Außerdem haben wir festgelegt, dass ein gewisser Anteil Trockenfutter beibehalten wird, damit ich am Ende nicht mit einer versifften Jacke durch die Gegend laufe, weil ich Frischfleisch oder Innereien zum Trainieren verwende.

Um die Zeit zu überbrücken bis wir in den Barf-Laden (Der hat irgendwie blöde Öffnungszeiten.) fahren, haben wir schon einmal verschiedenes Futter getestet, um herauszufinden, ob der Hund auch wirklich alles verträgt.

Der erste Test bestand aus Schweineleber. Roh wurde sie von dem kleinen Biest komplett verschmäht. Am nächsten Tag überbrühten wir die eine Hälfte, die andere Hälfte wurde gebraten. Und siehe da, hätten wir ihn nicht aufgehalten, dann hätte er sich direkt die gesamte Menge einverleibt. Das Ergebnis war Durchfall.

Bei einem zweiten Test gab es Hähnchenhälse. Der erste wurde direkt wieder ausgespukt. Der zweite wurde unter den Tisch getragen und dort heimlich gefressen. Als wäre es ihm peinlich, dass er Hähnchenhälse frisst. Das hat er dann auch mit dem Rest so gemacht.

Der dritte Test bestand aus Kohlrabi aus eigenem Anbau vom letzten Jahr. Den haben wir ihn extra gekocht. Anschließend wurde er vermischt mit einer Tasse Kohlrabi serviert. Was macht das Tier? Fängt er nicht tatsächlich an um den Kohlrabi drumherum zu fressen? Dabei hat er doch tatsächlich eine ausgeklügelte Technik. Er hat es geschafft im Maul Trockenfutter von Gemüse zu unterscheiden, hat den Kohlrabi wieder fallen lassen oder neben seinen Napf gelegt. Zum Glück kann Moppel es nicht ertragen, wenn noch etwas im Napf ist. Er kennt nur leer. Deswegen hat er zum Schluss die gesamte Portion Kohlrabi gefressen ohne zu Murren.

Die Experimente wurden nach diesem Versuch abgeschlossen. Als nächster Vorbereitungspunkt stand der Kauf einer Tiefkühltruhe auf unserer Liste. Zwar haben wir bereits einen Tiefkühlschrank, aber der ist mit Gemüse und Obst aus dem Garten gut gefüllt. Also begann die Suche nach einem Gebrauchten. Dank Ebay Kleinanzeigen wurden wir schnell fündig.

Ende letzter Woche war es dann so weit. Zuerst fuhren wir zum „Barf-Shop“, welcher uns sehr positiv begeisterte. Nur die Frage, ob wir den Blättermagen mit oder ohne Inhalt haben wollen brachte uns kurzzeitig aus dem Konzept. Nachdem wir dann auch die Truhe abgeholt hatten, wartete ein kleines, schwarzes, hungriges Tier zu Hause auf uns. Der hatte nämlich den Braten direkt gerochen und hat die Tasche mit dem gefrorenen Fleisch sicherheitshalber nicht mehr aus den Augen gelassen. Dummerweise musste er fast einen ganzen Tag warten bis die ersten Pakete aufgetaut waren.

Da Benni von der Barf-Sache noch nicht so ganz überzeugt ist, blieb das Portionieren an mir hängen. So gern ich Moppel meistens habe- so sehr habe ich mir einen größeren Hund gewünscht. Es ist wirklich deprimierend, wenn man von einem Kilo Pansen immer nur 50 g wegnimmt und einfach kein Ende in Sicht ist. Damit wäre auch geklärt, dass der nächste Hund mindestens ein Leonberger wird. Am Ende hatte ich wahnsinnig viele Tüten, einen riesigen Sabberfleck auf den Küchenboden, einen verzweifelten Hund und Hände, die nach Kuhscheiße gestunken haben.

Als ich den Futternapf schließlich endlich auf den Fußboden stellte, war für Moppel das höchste Level der Glückseligkeit erreicht. Wenn er sprechen könnte, hätte er wahrscheinlich zuerst gefragt, was daran denn bitte so lange gedauert hat und danach, dass er mich unglaublich gern hat. Dafür ignoriert man gerne den Kuh-Geruch im Kühlschrank.

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