Licht am Horizont

Alles schien auf einen ganz normalen Sonntag hinzudeuten. Das Wetter war eher wolkig, kühl, windig und feucht. Kein schönes Wetter, um im Garten zu arbeiten. Also schnappten wir uns nach dem Mittag (Moppel wird sonntags immer erst gegen 12 Uhr so richtig wach) den Hund, Wanderschuhe, Trainingsequipment und machten uns auf zu unserer Lieblings-Strecke, da wir dort normalerweise nie andere Hunde treffen.

In der Sekunde, als Moppel ins Auto springen sollte, hörten wir ein Bellen und ein kleiner weiß-grauer Plüschball kam um die Häuserecke gestürmt. Das war der Hund von der Dame nebenan, die immer ohne Leine spazieren geht. Sie kam dann auch erst um die Ecke gebogen, als ihr Hund uns schon einige Zeit angebellt hatte. Den Versuch, das Tier heran zu rufen, hätte sie sich auch sparen können. Der Versuch konnte nicht mal als halbherzig bewertet werden. Dummerweise blieb der Hund auch auf 5 Meter Abstand stehen und pöbelte rum. So weit kann unsere Wasserflasche nicht spritzen. Moppel war bis in den Schwanz angespannt, sprang dann aber doch nach einer zweiten Ermahnung in seine Box. Dort entfleuchte ihm noch ein kleiner Knurrer. Wir sind nicht sicher, ob er den Hund meinte oder ob er blöd fand, dass der nicht auf den Rückruf hörte.

Unser Versuch, den Weg zum Auto möglichst entspannt zu gestalten, war damit gescheitert. Dies führte dazu, dass Moppel auf der Autofahrt quiekte, was wiederrum unseren Sonntag sehr entspannt gestaltete.

Auf unserer Tour durfte Moppel an der Schleppleine ein bisschen rumschnuppern und ab und an den Futterbeutel apportieren. Außerdem übten wir ein bisschen Fuß und den Rückpfiff. Alles war extrem entspannt, auch wenn wir wahrscheinlich niemals Freunde der Schleppleine werden. Wir sprangen regelmäßig über die Leine und Moppel schien besondere Freude daran zu haben, denn er lief von rechts nach links und von links nach rechts.

Auf der Hälfte der Strecke befindet sich ein Teich, der den Winter über abgelassen war. Eigentlich sollte Moppel dort die Möglichkeit bekommen ein bisschen zu schwimmen. Aber als wir um die Ecke bogen stand dort eine Dame mit einem Rhodesian Ridgeback. Der Hund war angeleint und sie schien einen riesigen Schreck bekommen zu haben, da man eine Schleppleine, wenn sie einfach hinter dem Hund her schleift ja nicht unbedingt sieht. Deswegen drehte sie auf dem Absatz  um und ging in die andere Richtung davon. An der Stelle waren wir mal die Assis. Wir sind da einfach kurz stehen geblieben und haben es als Training für Moppel genutzt. Tatsächlich hat er sich hingesetzt und hat einfach nur beobachtet. Auch, dass sich der andere Hund ab und an mal umgedreht hat, hat ihn nicht gestört. Moppel hat einfach nur die Klappe gehalten.

Wir haben das Schwimmen dann auf das nächste Mal verschoben und sind einfach weiter gegangen. Die Dame hat dann doch nochmal umgedreht und kam ein Stück hinter uns her.
Dummerweise war dann der Weg, den wir normalerweise nehmen durch Baumfäll-Arbeiten total zerfahren und durch den Regen extrem schlammig. Also warteten wir bis die andere Frau samt Hund abgebogen war und gingen dann doch zum Teich zurück. Hier badete Moppel in einem kleinen Zufluss und sprang mit Bauchplatscher in Entengrütze. Als wir uns auf den Heimweg machen wollten, kam uns ein älterer Herr mit Malinois entgegen. Moppel war in dieser Sekunde nicht im Fuß und machte Anstalten auf den Hund zu zu rennen. Aber tatsächlich kam er auf unseren Rückruf zurück. (Jaaaa!) Auch der Hund war angeleint. Wir drehten wieder um, aber diesmal kam der Herr schnellen Schrittes hinter uns her und der Abstand verkleinerte sich. Moppel drehte sich regelmäßig um und behielt die beiden im Auge. Das machte das Handling mit der Schleppleine nun nicht einfacher. Um ihn abzulenken warf ich den Futterbeutel, den er dann einfach davon trug. Und das alles ohne Bellen und Pöbeln!

Diese beiden Begegnungen haben uns echt ein bisschen Hoffnung in andere Hundebesitzer zurückgegeben. Natürlich haben wir gekuscht und haben die anderen nicht passiert. Aber wenn es so gut läuft, muss man sich echt nicht den Sonntag versauen. Wir haben es dabei belassen und uns stattdessen über unseren Hund gefreut, der mittlerweile seit einer Woche keinen Hund angepöbelt hat. Ich konnte ja noch nicht ahnen, was noch passieren würde.

Blöderweise war das Ende vom Lied, dass wir doch den schlammigen, zerfahrenen Weg genommen haben. Nun gut, man kann ja nicht alles haben. Dafür hatten wir ja Wanderschuhe an und ein bisschen Action ist ja nie verkehrt.

Irgendwann kamen wir dann an einem kleinen Tümpel vorbei. Da der sehr sauber aussah, habe ich Moppel animiert hinein zu gehen. Ich konnte ja nicht ahnen, dass er mit vollem Körpereinsatz hinein springt und komplett nass wieder heraus kommt. Was macht dieses kleine, schwarze Tier, wenn es nass ist? Es wälzt sich. Dummerweise war überall nur Schlamm. Für ihn nicht schlimm. Ich habe einen bösen Blick von Benni bekommen. Danke Moppel!

Den Heimweg nutzten wir, um uns kurz noch einen Bauernhof anzusehen, der zum Verkauf steht, damit wir endlich aus dem Viertel voller bekloppter Hundebesitzer weg kommen. Dort war ein Australian Sheperd. Er stand zwischen ganz vielen Hühnern und leckte die Hühnerkacke vom Boden. Eigentlich ein wirklich schönes Tier, leider komplett verwahrlost. Das Fell wirkte stumpf und schmutzig. Er war viel zu dick und sicher hatte er auch körperliche Probleme, zumindest wirkte seine Pfotenstellung wirklich nicht gesund. Ich hätte am liebsten geklingelt und gefragt, ob ich den Hund für 50 Euro mitnehmen kann. Für ihn schien sich ja sonst niemand zu interessieren. Aber ich weiß ja, dass Moppel noch Lichtjahre davon entfernt ist, andere Hunde neben sich zu akzeptieren. Aber vielleicht hat ja jemand anderes noch Platz einen armen Australian Sheperd abzukaufen und zu adoptieren.

Als wir wieder zu Hause waren, mussten wir dem Hund leider seinen Bademantel anziehen, was dazu führte, dass er sich demonstrativ vier Stunden lang nicht mehr bewegte und stattdessen lieber schnarchte.

Der Abend verlief dementsprechend entspannt- bis Benni noch einmal kurz mit Moppel pullern gehen wollte. Ich legte mich schon mal ins Bett immerhin musste ich am nächsten Morgen früh aufstehen. Ich lag also da und hörte auf einmal ein Bellen- definitiv der Jack Russell. Klack- da fiel die Haustür ins Schloss. Alles klar, dachte ich mir, Benni hat den Jack Russell gesehen und die Haustür von innen wieder zu gemacht. Ich drehte mich wieder um, aber da: erneutes Bellen. Wieder vom Jack Russell, aber diesmal von der anderen Hausseite. Moment! So schnell kann keiner von seinen Besitzern laufen. Also habe ich mit einem Hechtsprung das Bett verlassen und bin zum Wohnzimmerfenster gerannt. Viel gesehen habe ich nicht- nur ein riesengroßer Wasserfleck. Da ist mir mein Herz in die Schlafanzug-Hose gerutscht. Ich bin dann ohne groß nachzudenken in Schlafanzug und barfuß über die Steintreppen im Hausflur gestürmt und habe die Tür von innen aufgemacht. Durch einen kleinen Türspalt hat sich dann schon, leicht verzweifelt, unser schwarzer Plüsch gedrückt. Benni kam rückwärts hinterher, dabei behielt er immer den Jack Russell im Blick. Erst als er fast drin war, kam dann der Besitzer langsamen Schrittes um die Ecke gebogen. Benni hat mir die Situation dann etwa so geschrieben. Er hörte den Jack Russell bellen, hörte wie die Tür ins Schloss fiel, dachte sich Scheiße, schmiss den Müllbeutel zur einen Seite weg und ließ Moppels Leine fallen, zog wie Lucky Luke die Wasserflasche aus der Tasche, wartete bis der Hund näher kam und drückt ab. Der Strahl löste immerhin einen Quieker aus und der Hund suchte für 5 Sekunden das Weite. Was genau Moppel in der Situation getan hat? Er konnte es mir nicht sagen. Anscheinend stand er einfach nur da, wollte unbedingt weg und hat seine Nase an die Tür gedrückt. Sicher ist, dass er weder gebellt noch geknurrt hat und schon gar nicht nach vorn gegangen ist. Das hätte er vor einiger Zeit noch getan.

Das Ereignis am späten Abend hat mir dann ein bisschen das positive Auftreten der anderen Hundehalter verhagelt. (Die gute Frau hat uns am darauf folgenden Tag noch einmal erklärt, dass wir und Moppel daran Schuld sind. Ihr Hund muss ja nur mal schnuppern. Cesar Milan macht das auch immer. Die Alte kann man echt keiner Hundeschule antun.) ABER (und das ist viel wichtiger) bei Moppel ist wirklich Licht am Horizont zu sehen. Fast zwei Jahre versuchen wir jetzt schon ihm zu erklären, dass wir alles im Griff haben und er ganz entspannt sein kann. Wir haben bei ihm schon viele kleine Besserungen erlebt, aber momentan platzen wir fast vor Stolz. Die Hundeschule wird uns trotzdem nicht los!

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