Der Social- Walk oder „Der Endgegner“- Teil 1

Diese Woche fand in unserer Hundeschule erstmals ein sogenannter Social Walk statt. Die Beschreibung dieser Trainingsstunde verriet, dass hier vor allem Hunde, die andere Hunde blöd finden aufeinander treffen und lernen, dass es egal ist, ob die anderen blöd sind. Sie sollen einfach die Klappe halten. Wie Menschen halt.

Da ich ein totaler Fan von Schweißausbrüchen, Panikattacken, hohem Puls und Adrenalinüberschuss bin, habe ich Moppel und mich dort angemeldet. Wenn ich keinen Hund hätte, müsste ich einmal pro Woche von irgendeiner Brücke oder einem Flugzeug springen, um meinen Adrenalinbedarf zu decken. Außerdem schien dieses Begegnungstraining genau das Richtige zu werden. Immerhin erträgt Moppel seine Artgenossen aus der Donnerstagsgruppe mittlerweile ganz gut. Langsam muss er auch mal andere Arschlöcher kennenlernen- so war zumindest mein Gedankengang. Schließlich jage ich noch immer meinem Traum hinterher irgendwann einmal, mit einem tiefenentspannten Hund an anderen Hunden vorbei zu gehen. Einfach nicht mehr ständig abhauen zu müssen. Irgendwann- mindestens im zunehmenden Alter der schwarzen Bestie sehe ich eine kleine Chance.

Wir übten Fuß gehen bis zum Umkippen, damit Moppel die Stunde nicht ganz so sehr verkackt. Außerdem hört man ja gern, dass der eigene Hund der Beste ist.

Als der große Tag gekommen war, verhielt ich mich wie verantwortungsvolle Hundehalterin. Ich schenkte zwei Gläser selbstgemachten Schnapses ein- einen für mich und einen für Moppel. Damit wir beide entspannt starten konnten. Dann stießen wir an und ich trank meinen Schnaps. Danach hab ich auch noch den von Moppel getrunken- immerhin ist Alkohol ja nicht gut für Hunde. Eine zweite Flasche inklusive Gläser habe ich sicherheitshalber noch eingepackt. Man kann ja nie wissen.

Vor Ort lernte ich dann die anderen vier Teilnehmer kennen. Immerhin kannte ich schon zwei davon und wusste ziemlich genau, wer Moppels ganz spezieller Freund werden würde. Unkontrolliert, frech und starrend- genau sein Muster. Ich konnte förmlich sehen, wie in Moppels Quadratschädel ein Kopfkino startete. Aus Gründen des Jugendschutzes (schließlich weiß ich nicht wer mitliest) kann ich hier nicht weiter darauf eingehen.

Übrigens waren bei diesem Training vier von fünf Hunden Hütehunde bzw. Mixe mit Hütehund-Anteil. Eigentlich steh ich ja total auf Hütehunde, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass sie einfach nicht alltagstauglich sind. Benni und ich sollten dringend noch einmal unseren Wunschhund für irgendwann mal noch einmal überdenken. Für jetzt reicht ja ein Problemhund im Haus.

Dann ging es los. Ganz schnell wurde mir klar, dass diese motivierende Genugtuung, dass Moppel der Beste mit dem kleinsten Problem ist, nicht einsetzen würde. Tatsächlich war er der Einzige, der überhaupt ein Problem mit anderen Hunden hatte. Verdammt!

Auch das Fuß gehen klappte erst im Verlauf der Stunde. Doppelt verdammt!

Die anderen haben die jeweils anderen Hunde nicht einmal fixiert sondern einfach ignoriert. Nicht mal ein Knurren kam über ihre Lefzen. Im Laufe der anderthalb Stunden habe ich mich tatsächlich gefragt, warum genau sie angemeldet waren.

Das Ende vom Lied war, dass Moppel der einzige Depp war, der überhaupt gebellt hat. Ja, okay. Vor ein paar Monaten wäre das alles noch gar nicht denkbar gewesen und ja er hat sich auch immer schnell wieder eingekriegt und ja nach kurzer Zeit war für ihn alles in Ordnung. Er ist dann sogar auf der linken Seite Fuß gelaufen und das ist wirklich seine schwache Seite. Er hat dann auch irgendwann seinen speziellen Freund mehr oder weniger ignoriert. Auch wenn er ihn im Blick behalten hat.

Im Großen und Ganzen konnte ich also sehr zufrieden mit ihm sein. Immerhin ist er auch an anderen Hunden vorbei und hat nicht gebellt. Aber ich bin ehrgeizig. Ich will mehr. Ich bin pingelig und furchtbar streng zu mir selbst (und manchmal auch zu Moppel). Vielleicht auch manchmal zu streng. Ich mag es halt einfach nicht, wenn er die Bestie auspackt.

Ich mag es auch nicht, wenn die Leute bei der Hundeschule vorfahren und direkt ihren Hund aus dem Auto zerren. Die stellen sich dann aber auch in 90 % der Fälle genau vor mein Auto (dieses Mal zum Glück nicht) und denken dann, dass ich einen wer-weiß-wie aggressiven Hund habe, weil sie da weggeschickt werden. In diesen Fällen startet dann in meinem Kopf ein ähnliches Kopfkino wie bei Moppel.

Was ich eigentlich sagen wollte, das Ende der Stunde hat Moppel mit der Beobachtung von Junghunden verbracht. Zum Glück waren sie weit genug weg und sein spezieller Freund aus dieser Gruppe war nicht mit dabei. Sonst hätte das noch einmal anders ausgehen können.

Unser Adrenalinbedürfnis wurde leider nicht befriedigt. Dafür war die Stunde dank der anderen Hunde, die ziemlich entspannt waren aber wesentlich leichter. Wer weiß, was passiert wäre, wenn alle ein genauso großes Arschloch-Gen gehabt wie er. Jedenfalls werden wir noch einmal an einem Social Walk teilnehmen. Bis dahin muss Moppel ins Boot-Camp zum Fuß gehen üben. Ein Stückchen besser soll es das nächste Mal dann schon gehen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Aller Anfang ist schwer. Ich weiß es ist leichter gesagt als getan, aber setzt euch nicht so unter Druck. Ihr werdet das schon meistern – zusammen als Team 🙂

    Vielleicht hast du bis dahin Lust & Zeit am Liebster Award teilzunehmen 🙂

    https://4pfoten-trekking.com/2017/03/23/liebster-award-1-0/

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