Moppel an der Angel

Wenn erwachsene Männer auf dem Hundeplatz stehen und voller Stolz sagen: „Meine ist aber viel länger.“, dann kann es nur um den Vergleich der Schleppleine oder der Reizangel gehen. Wer anderes denkt, hat nur Schmutz im Kopf. In diesem Fall waren wir beim Reizangel-Training.

Diese Trainingsstunde stand übrigens auch auf meiner Weihnachtswunschliste vom letzten Jahr und jetzt fand die Stunde endlich statt. Tatsächlich stand ich aber die gesamte Zeit nur in der Gegend rum, weil Benni diese Trainingsform für sich und Moppel entdeckt hat. Es wäre fatal, wenn ich seine Motivation für das Hundetraining übergehen würde. Schließlich ist das Reizangel-Training eine Methode, dass sich die beiden Männer im Haus einmal gemeinsam mit dem Thema „Grundgehorsam“ auseinandersetzen.

Wie bereitet man sich nun angemessen auf eine solche Stunde vor? Da uns schon vorher klar war, dass das Training super zur Auslastung für den kleinen Schwarzen ist und auch noch die alltäglichen Signale gefestigt werden können (ein Allround-Talent eben), haben wir uns entschieden schon vor der Stunde eine eigene Reizangel zu kaufen. Die Reizangeln für das Hundetraining sind leider relativ klein und vor allem relativ kostenintensiv. Durch Zufall waren wir auf der Messe „Reiten-Jagen-Fischen“ unterwegs und, dank dem Tipp unserer Trainerin (Vielen Dank dafür!), wurden wir dort fündig. Am Ende haben wir uns für eine teilbare Longierpeitsche in klassischem Schwarz (es muss ja auch farblich zum Tier passen) entschieden. Die Teilung ist einfach praktisch für den Transport und das gute Stück kostete nur 12 Euro. Da Benni der Verkäuferin sympathisch war, gab es zum Schluss noch einmal 2 Euro Rabatt. 10 Euro kann man schon mal in die Bespaßung des Hundes investieren.

Vor lauter Vorfreude mussten wir unsere neue Errungenschaft dann auch direkt ausprobieren. Als erstes fiel uns auf, wie viel entspannter unser Hund geworden ist. Als wir zum allerersten Mal eine Reizangel ausprobierten, ist er wild bellend hinterher gewetzt. Er versuchte verzweifelt, den Futterbeutel durch Laute zum Stehen zu bringen. Das lässt er mittlerweile ganz.

Ein zweites Mal probierten wir dann noch einmal in einem Park in unserer Nähe. Wenn wir dort mit Moppel ohne Leine arbeiten und jederzeit von überall Hunde und Menschen kommen können, dann ist mein Adrenalinspiegel genauso hoch, wie wenn ich mit einem blutigen Bein in ein Piranha-Becken steigen würde. Aber alles klappte super. So super, dass wir am Ende der Trainerin ein fürchterliches Angeber-Video schickten, in dem ich Moppel aus der vollen Jagd abpfiff. Geile Sache!

Zur eigentlichen Stunde dann, übten wir einige Grundvarianten. Moppel zeigte sich als einer der geschicktesten Jäger. Er nimmt jede Wendung der Angel mit und freut sich wie ein Schneekönig, wenn er den Futterbeutel dann doch einmal gefangen hat.

Erstaunlich war auch, dass man mit einer Reizangel sogar das „Fußgehen“ verbessern kann. Für solche Übungen bin ich immer wahnsinnig dankbar. Moppel lässt sich momentan noch sehr leicht ablenken. Ich hätte ihn aber lieber so, dass neben ihn eine Bombe explodieren kann und er trotzdem einfach neben mir weiter geht.

Eine wirkliche Überraschung passierte tatsächlich etwas abseits von der Reizangel. Ich hätte erwartet, dass der kleine Hund einige Male zur schwarzen Bestie mutieren würde. Schließlich sind die anderen Hunde unkontrolliert und (für ihn) viel zu schnell durch die Gegend gerannt. Tatsächlich passierte aber nix. Ab und an kam ein kleiner Knurrer aus ihm raus, wenn ein anderer Hund nicht hörte oder zu frech wurde- als würde er sie zur Ordnung rufen wollen. Ansonsten  wartete er mit seinem typischen, aufgeregten Quietschen auf seinen Einsatz.

Für uns ist die Reizangel also eine sehr praktische Trainingsvariante, die richtig gut für die entsprechende Auslastung sorgt. Wir üben nie in langen Sequenzen, sonst würde er überdrehen. Stattdessen machen wir meistens 2 bis 3 kürzere Durchgänge und zwischendurch darf er Luft schnappen. Es scheint nämlich gar nicht so leicht mit so kurzen Beinen so schnell zu rennen.

Benni hatte übrigens nicht die längste Reizangel. Aber er befand, dass er mit der kurzen eh viel besser umgehen kann- es kommt halt nicht auf die Länge, sondern auf die Technik an.

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