Spaziergänge richtig gestalten

Vergangenen Samstag war es wieder soweit. Moppel wurde in die Hundeschule geschleift, weil Tina sich mal wieder für ein Seminar angemeldet hatte. Moppel hasst die Samstagstermine. Das sind nämlich die einzigen, die schon morgens um 10.00 Uhr anfangen. Normalerweise dreht er sich um diese Uhrzeit noch einmal rum und zeigt uns sein Hinterteil. Wenn ich ihn also Samstagmorgen von seinem Kissen rufe, zeigt sein Gesicht vor allem eines: Hass.

Auch Benni war von der Anmeldung zum Seminar „Spaziergänge richtig gestalten“ nicht sonderlich überzeugt. Er argumentierte damit, dass wir nie einfach nur mit dem Hund spazieren gehen sondern immer irgendwas machen und damit, was ich denn da noch lernen wollte. Aber am Ende war es ihm relativ egal, da er zu Hause bleiben durfte.

Tja, was genau habe ich von dem Kurs erwartet? Vielleicht, dass fatale Fehler in der Auslastung vom dem kleinen Border Collie-Verschnitt aufgedeckt werden? Nein, eher nicht. Immerhin schläft er verdammt gut und macht keinen Unsinn, außer andere Hunde anpöbeln. Dass ich ganz viele neue Beschäftigungsmöglichkeiten lerne, von denen ich vorher noch nie gehört habe? Naja, vielleicht ein bisschen. Wir sind zwar schon sehr kreativ, was wir alles mit dem Hund und seinen Fähigkeiten anfangen, aber manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ein bisschen neue Inspiration ist schon nicht verkehrt. Vielleicht wollte ich, dass Moppel sich seinen Ängsten stellt und mal wieder andere Hunde trifft? Ja, das trifft es ziemlich gut. Aber im Großen und Ganzen bin ich ohne große Erwartungen an die Sache heran gegangen. In erster Linie will ich Spaß mit dem Hund haben. Wenn er hinterher noch gut schläft, dann ist das ein netter Nebeneffekt. Deswegen überlege ich bei der Anmeldung auch nie, was mir etwas nutzen konnte. Ich überlege, ob es Spaß machen könnte und meistens entscheide ich mich dafür. Wahrscheinlich kommen daher meine inflationären Hundeschul-Besuche. Es gibt nur einen Kurs, der es mir kalt den Rücken runterlaufen lässt, den ich nicht mit Spaß verbinde und auch nur belegen würde, wenn Moppel gar keine Muskeln mehr hat: Cavaletti und Bodenarbeit. Sollten diese Übungen jemals zum Ziel haben, alle Stangen abzuräumen, dann melden wir uns an.

Jetzt schweife ich vom Thema ab. Ich fuhr also mit Moppel am Samstagmorgen zur Hundeschule, wo mich kurz der Schlag getroffen hat. Ich finde es ja immer wahnsinnig spannend, wer sich noch für die verschiedenen Seminare angemeldet hat. Manchmal frage ich schon vorher. Trotzdem baut sich jedes Mal auf dem Weg zur Hundeschule schon eine Grundspannung auf. Bei mir. Moppel schnarcht immer entspannt in seiner Box. Wer wird wohl da sein? Sind Fremde dabei, bei denen du den Hund noch nicht kennst? Wird Moppel die anderen Hunde fressen? Das Gute war, dass am Samstag nur bekannte Gesichter da waren. Das Negative war die Zusammensetzung. Ein Border Collie-Junghund, der sich dauerhaft im Modus „explodierendes Dynamit im Arsch“ befindet und den Moppel zwar im Freilauf (natürlich mit Zaun dazwischen- der Junghund soll ja noch ein bisschen was von seinem Leben haben) erträgt, der aber gleichzeitig alles ist, was Moppel nicht leiden kann. (Versteh einer diesen Hund!) Dann war da noch ein Goldie, den Moppel noch aus seiner Anfangszeit (eine Katastrophe) in der Donnerstagsgruppe kannte, den er aber immer genau im Auge behalten hat. Und natürlich die Hundedame der Trainerin, die Moppel schon mal gesehen hat, aber auch nicht genauer kannte.

Da lag Spannung in der Luft! Naja, Moppel entschied sich seinen Schönheitsschlaf nachzuholen und schnarchte weiter tiefenentspannt in seiner Box. Das konnte er auch erst einmal. Wir starteten nämlich ohne Hunde (Gott sei Dank- Die Katastrophe wurde noch ein Stück rausgeschoben!) mit der Theorie.

Während die schwarze Bestie sich noch einmal umdrehte, lernte ich, welche Bedürfnisse Hund und Mensch bei einem Spaziergang haben und wie sich diese verbinden lassen. Unter anderem kam die Frage auf, wie oft ein Hund am Tag spazieren gehen muss. Mit dieser Frage habe ich mich noch nie zuvor beschäftigt. Wenn ich ehrlich bin, dann gibt es auch Tage, an denen wir gar nicht „richtig“ spazieren gehen (Pullerrunden ausgenommen). Das sind dann solche Tage, die wir komplett im Garten verbringen. Wir sind dann hinterher von der Gartenarbeit platt und Mopsi schläft gut, weil er Frisbee gespielt hat und Ball und wir Obedience geübt haben und um Stangen rennen. Auch an den anderen Tagen zähle ich nicht, wie oft wir nun genau mit ihm draußen und unterwegs waren. Wenn er gut schläft und keinen Unfug macht, dann ist er ausgelastet. Wenn nicht, müssen wir am nächsten Tag etwas mehr machen. Das ist eine relativ leichte Faustregel, ansonsten erkennt man auch an anderen Dingen sehr gut, dass es Moppel definitiv reicht:

  • Die Zunge hängt zur Seite raus.
  • Er fängt an zu schielen.
  • Seine Aufmerksamkeit lässt nach bis sie praktisch nicht mehr vorhanden ist.
  • Er weigert sich auch manchmal mit zu machen, auch wenn ihm das tief im Herzen weh tut. (Das sieht man am Gesicht.)
  • Er bringt Dummies, Bälle etc. nicht mehr zurück sondern legt sich irgendwo hin.
  • Wenn er sich hinlegt, dann streckt er seinen kurzen Hinterständer zur Seite weg.
  • Manchmal verschluckt er sich an seiner eigenen Spucke.

Vielleicht mache ich es mir damit ein bisschen einfach, aber Moppel ist gesund und ich glaube ihm gefällt es ganz gut bei uns.

Außerdem fand ich erstaunlich, dass sich die Menschen beim Spaziergang mit ihrem Hund erholen wollen. Wenn ich mit dem schwarzen Tier los laufe, dann bin ich grundsätzlich schon mal angespannt, weil hinter jeder Ecke ein freilaufender Hund und ignorante Menschen warten könnten. (Langsam werde ich paranoider als mein Hund.) Tatsächlich finde ich es die bessere Entspannung und Ablenkung vom Alltagsstress, wenn ich mit dem Tier Spaß haben kann. Wenn er sich so sehr freut, dass er fast platzt, dann überträgt sich die Freude auch auf mich. Wenn ich entspannen will und meine Ruhe brauche, dann lege ich mich hinterher auf die Couch und höre dem Hund beim Schnarchen zu. Allerdings erklärt es, warum ich in unserem Viertel immer nur Menschen mit den Hunden spazieren gehen sehe, aber noch nie jemand mit seinem Hund gespielt hat.

Trotzdem war auch der Theorieteil wahnsinnig interessant. Viele Spiele und Übungen für unterwegs die vorgestellt wurden, machen wir auch selbst auf Spaziergängen. Nur das vorgestellte Reizangeltraining verschieben wir lieber auf den Garten. Die Angel mitzunehmen ist dann doch zu umständlich.

Völlig überraschend kam dann die Frage, ob Moppel und der junge Border Collie sich so weit vertragen, dass ein normaler Spaziergang daraus werden kann. Was antwortet auf eine Frage, die im eigenen Kopf schon Horrorszenarien und Weltuntergangsstimmung aufkommen lassen? Richtig! „Na klar kann Moppel das. Der hat damit kein Problem.“, war meine Antwort. Totale Gelassenheit bei völliger Unsicherheit- für irgendwas waren Schule und Studium also doch gut.

Tatsächlich schafft es mein Hund gelegentlich noch mich zu überraschen- zum Positiven. Nachdem er alle Hunde per Blickkontakt abgecheckt hatte, stellte er anscheinend fest, dass die anderen gar nicht so schlimm sind und beschloss sich auf die Arbeit mit mir zu konzentrieren.

Wir starteten also mit leichten Futter-Suchspielen. Blick- Futter fliegt- Blick- Futter fliegt- und so weiter. Blöd nur, dass ich nicht in der Lage bin meine eigene Wurfweite zu schätzen. Deswegen fliegt das Futter regelmäßig weiter, als die Leine lang ist und ich mache einen Hechtsprung, damit der fliegende Hund mir nicht den Arm auskugelt.

Anschließend ging es dann weiter mit Apportieren. Dann war auch schon so ziemlich die Luft raus. Das Gras war kniehoch, weswegen es nicht leicht war für einen Hund mit vier kurzen Ständerchen, den Dummy hinterher zu hechten. Trotzdem hatte Moppel wahnsinnig viel Freude daran. Ich hatte viel mehr Freude daran, dass drei Hunde zeitgleich apportierten und die schwarze Bestie noch frei hatte.

Noch viel besser war, dass es den ganzen Spaziergang so blieb. Anscheinend hatte Moppel an diesem Tag die schwarze Bestie zu Hause vergessen. Weder bei Futter-Suchspielen an Baumstämmen, noch beim Laufen störten ihn die anderen. Okay, ein bisschen paranoid war er trotzdem. Er behielt die anderen sicherheitshalber im Auge, aber dafür ist es Moppel. Der darf das!

Irgendwann führte uns der Spaziergang dann zu einem kleinen Fluss. Zu diesem ging es relativ steil bergab und normalerweise geht Moppel nur langsam mit seinen Beinen in seichte Gewässer. Am besten ist es, wenn der Bauch nicht nass wird. Ist der Schwanz nass- ist der Tag versaut. Aber anscheinend hatte sich Moppel vorgenommen, sich den ganzen Tag anders zu verhalten, als er es normalerweise tun würde. Während ich noch eine Stelle am Fluss suchte, wo er eventuell baden gehen könnte, machte der Hund einen Satz zur Seite. Zum Glück hatte ich die Schleppleine nicht allzu fest in der Hand, so konnte sie durch meine Finger gleiten. Am Ende stand der Hund bis zum Bauch im Wasser und trank, als wäre er fast verdurstet. Es ist ja nicht so, dass ich Wasser für ihn dabei hatte und dieses ihm auch immer wieder angeboten habe.

An diesem Tag hatte Moppel sichtlich Spaß am Wasser. Am Ende war er ganz nass und war so kaputt, dass er kaum noch aus dem Wasser kam. Dieses Mal verkniff er sich sogar das Wälzen nach einem Bad, sodass er tatsächlich fast sauber mit nach Hause konnte. Auch sein Kopf schien dieses Mal nach dem Schwimmen nicht komplett abgeschalten zu sein, wie es normalerweise der Fall ist. Stattdessen arbeitete er weiter mit mir.

Zu diesem Seminar hätte ich wahrscheinlich alle Wetten auf meinen Hund verloren. Zum Schlussgespräch saß er mit zwei anderen Hunden in einem Raum, war ruhig und auf mich fixiert und bellte die fremden Menschen, die ihn ansahen nicht an. Fast war ich mir sicher, dass irgendjemand meinen Hund ausgetauscht hat.

Das änderte sich, als wir abends vom Garten nach Hause kamen und dort ein Chihuahua aus Nachbarschaft zusammengefaltet werden musste. Begründung: Der hat geglotzt. Dieser Moment fühlt sich in etwa so an: Es ist ein wunderbarer, sonniger Tag und man macht einen Ausflug. Wenn man am weitesten von zu Hause entfernt ist, fängt es an zu gewittern- mit Hagel. Man trägt ein weißes T-Shirt, was durchsichtig wird. Das Fahrrad hat einen platten Reifen. Das Handy fällt in eine Pfütze. Und zu guter Letzt fährt der Bus vor deiner Nase weg. Ja, so in etwa hat sich das angefühlt.

Und die Moral von der Geschichte: Traue niemals deinen Hund! Nein, im Ernst. Ich war wirklich zufrieden mit ihm, auch wenn er sich die Aktion am Abend hätte sparen können. Am Ende ist wichtig, dass Moppel wieder Hunde getroffen hat, die ihn nicht killen möchten, wie er immer denkt. Außerdem habe ich herausgefunden, dass Futtersuchspiele in der Rinde von Baumstämmen dem Hund wahnsinnig viel Spaß machen. Und das Wichtigste: Anschließend war er schön müde und erschöpft.

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