Brief für Moppel

So du alte Fußhupe,

jetzt lebst du also schon vier Jahre bei mir. Am Freitag vor Pfingsten 2013 habe ich dich in dein neues zu Hause geholt. Die Zeit ging vorbei wie im Flug und du bist immer noch da. Zum Glück! Dabei hätte ich dich doch zurückgeben können. Immerhin hat dich das Tierheim als „Anfängerhund“ bezeichnet. Ich weiß bis heute nicht, ob darüber lachen oder weinen soll.

Wenn ich mein Leben vor vier Jahren mit meinem Leben jetzt vergleiche, dann würde ich vielleicht einige Dinge anders machen, aber du würdest trotz allem bei mir sein. Die letzten Jahre sind mit so vielen Erlebnissen verbunden, über die ich noch heute so sehr schmunzeln muss, dass ich sie nicht mehr missen möchte.

Kannst du dich noch an Pfingsten vor vier Jahren erinnern, als wir im Wildkatzenpark waren?
Weißt du noch, als wir beim Hundefrisör waren und ich hinterher genug Fell für 5 Hunde hatte?
Weißt du noch, wie viel Respekt du immer vor Paule- unserem Frettchen- hattest?
Weißt du noch, als Paule auf einmal nicht mehr da war?
Weißt du noch, dass du mehrmals die Leberwurst samt Aluminiumtube gefressen hast?
Weißt du noch, als du Benni das erste Mal getroffen hast?
Weißt du noch, wie doll allergisch Benni auf die reagiert hat, als er uns das erste Mal besucht hat?
Weißt du noch, als du Benni vor lauter Freude morgens quer über das Gesicht geleckt hast- er das aber gar nicht so toll fand?
Weißt du noch, als deine Blase kaputt war und wir tagelang fürchterliche Angst um dich hatten?
Weißt du noch, wie wir danach alle zwei Stunden raus mussten, damit du nicht ins Haus pullerst?
Weißt du noch, als du mit offenen Augen in einen Busch gelaufen bist und deine Hornhaut einen Riss bekommen hat?
Weißt du noch, als wir in unserem Urlaub in einem Hundehotel waren?
Weißt du noch, als du zum ersten Mal in der Hundeschule nicht gebellt hast?
Weißt du noch, als dich der Jack Russell angefallen hat?
Weißt du noch, wie sehr du dich erschrocken hast, als du Mümmel das erste Mal getroffen hast?
Weißt du noch, als Mümmel aus seinem Stall geflüchtet ist, du ihn einfangen wolltest und Benni das einfach nicht zu schätzen wusste?

Wir hatten schon so einige Erlebnisse in den letzten vier Jahren.  Höhen und Tiefen. Viel wichtiger ist jedoch das alltägliche Leben.

Hast du gezählt, wie viele Hunde du angebellt hast?
Hast du gezählt, wie viele Menschen du angebellt hast?
Hast du gezählt, wie oft du meine Laune mit nur einem Blick verbessert hast? Oder mit nur einem Ausraster alles schlimmer gemacht hast?
Hast du gezählt, wie oft wir beim Tierarzt waren, weil dein Tollpatsch-Gen durch kam?
Hast du gezählt, wie oft du dem Tierarzt nicht aus der Hand gefressen hast, sondern deinen Kopf direkt in den Futtertopf gesteckt hast?
Hast du gezählt, wie viele Hundeschulen wir besucht haben, bevor wir die richtige gefunden haben?
Hast du gezählt, wie viele Hundesportarten und Beschäftigungsmöglichkeiten wir schon ausprobiert haben?
Hast du gezählt, wie viele Stunden wir Fuß geübt haben?
Hast du gezählt, wie viele Stunden du auf deinem Kissen verbringen musstest- zu Übungszwecken?
Hast du gezählt, wie oft ich schon von deinen Aktionen peinlich berührt war?
Hast du gezählt, wie oft wir dich schon ins Tierheim zurück bringen wollen, weil wir so verzweifelt waren?
Hast du gezählt, wie oft wir uns dagegen entschieden haben, weil du uns fürchterlich fehlen würdest?
Hast du gezählt, wie oft du den Mülleimer schon ausgeräumt hast, weil wir ihn mal wieder vergessen haben?
Hast du gezählt, wie oft du schon Bällen, Frisbees, Dummys oder Futterbeuteln hinterher gerannt bist?
Hast du gezählt, wie oft du schon etwas getan hast, was ich nie von dir erwartet hätte?
Hast du gezählt, wie oft du dich gefreut hast, wenn einer von uns nach Hause kam?
Hast du gezählt, wie viele Seminare, Vorträge, Gruppenstunden usw. wir in der Hundeschule schon besucht haben?
Hast du gezählt, wie viele von deinen Tierheimkumpanen noch heute dort sind?
Hast du gezählt, wie viele Fotos ich schon von dir machen wollte und du immer im passenden Moment den Kopf wegdrehst?
Hast du gezählt, wie viele Menschen du schon zu Hundefreunden gemacht hast?
Hast du gezählt, wie oft ich schon mit dir geschimpft habe?
Hast du gezählt, wie oft ich schon fürchterlich stolz auf dich war?

Sicherlich nicht- ich habe ja auch nicht mitgezählt. Aber hätten wir es getan, dann wäre in den letzten Jahren einiges zusammen gekommen.

Man sagt, dass jeder den Hund bekommt, den er verdient. Ich bin nicht ganz sicher, ob ich etwas Schlimmes verbrochen habe oder  ich vielleicht doch Mutter Theresa bin.

Man sagt, dass man mit seinen Aufgaben wächst. Ich bin immer noch 1,70m, dabei sollte ich doch mittlerweile viel größer sein.

Und man sagt, dass sich Hund und Halter mit der Zeit immer ähnlicher werden. Ich hoffe meine Beine werden nicht so kurz wie deine. Aber tatsächlich sind wir uns schon wahnsinnig ähnlich. Tatsächlich mag ich nur wenige Menschen- so wie du auch nur manche Menschen magst. Dafür mögen wir diese dann ganz besonders. Und wenn ich ein Person nicht leiden kann, dann kannst du sie auch nicht leiden.

Und so wie ich es nicht immer leicht mit dir habe, so hast du es nicht immer leicht mit mir. Ich hoffe, du verzeihst meine Körperklaus-Körpersprache und meine unklaren Signale. Ich weiß, dass ich manchmal zu streng zu dir bin. Und ich weiß, dass du irgendwo ein besseres zu Hause gefunden hättest.

Ich hoffe, dass es hier auch ganz okay ist. Ich hoffe, du bist glücklich und zufrieden! Wir geben zumindest unser Bestes! Und ich hoffe, dass wir noch viele weitere gemeinsame Jahre haben und viele neue Erlebnisse, über die wir noch lange lachen können.

Ich weiß, dass du diesen Brief nicht verstehst- auch nicht, wenn ich ihn dir vorlese. Du liegst jetzt hier, angekuschelt an mein Bein und träumst vor dich hin. Vielleicht träumst du vom Jagen oder von der Trainingsstunde gestern oder von etwas ganz anderen. Das ist auch egal. Du bist hier. Ich bin hier. Mümmel sitzt im Garten und Benni kommt gleich nach Hause. Wir sind alle zusammen und wir geben keinen einzigen mehr her.

Ich hab dich lieb, du Biest!

Tina

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