Die blutrünstige Bestie

In den letzten Tagen habe ich einige der älteren Blogbeiträge gelesen und dabei ist mir aufgefallen, dass jeder der Moppel nicht kennt, denken muss, dass er jeden schreddert, der nicht bei drei auf dem Baum ist.

Tatsächlich ist Moppel wirklich blutrünstig. Seine Liste an Verletzten ist lang und blutig. Er ist so angsteinflößend, dass die Stasi-Oma unter uns immer die Tür zumacht, wenn wir kommen- egal, ob sie noch in einem Gespräch steckt oder nicht.

Nachfolgend einmal die schlimmsten Dinge, die die schwarze Bestie je verbrochen hat.

Jedes Mal, wenn er mit Benni kämpft hat der hinterher dicke, rote und geschwollene Arme. Einige Male ist es auch schon passiert, dass er Kratzer vom Kampf davon getragen hat. Und am Ende jedes Kampfes leckt das schwarze Tier die Arme auch noch ab- einfach nur weil er so blutrünstig ist und vom Blut des Opfers kosten will.

Als Bennis Schwester das erste Mal zu Besuch kam, hat er sie angepöbelt und angesprungen. Dabei hat er mit seiner Daumenkralle einen riesigen Kratzer (von 2 cm) an ihrem Bein zurück gelassen. Hätte Benni nicht so wahnsinnig schnell reagiert und ihr ein Pflaster gereicht, dann wäre sie wahrscheinlich verblutet.

Für den größten Schaden, war er noch nicht einmal selbst verantwortlich. Die Schleppleine und ich sind einfach keine Freunde. Als wir mi dem Training noch sehr am Anfang standen, hatte ich Moppel für ein Apportier-Seminar angemeldet. Direkt in der ersten Stunde ist es dann auch schon passiert. Moppel war durch eine Schleppleine gesichert, der Dummy flog. Dann war kurz alles wie in Zeitlupe. Ich habe gesehen, dass die Leine zu Ende geht, aber nicht weiter reagiert. Kennt ihr diese Trickfilme, wo sich die Figur in einem Seil verheddert, das Seil dann weggezogen wird und die Trickfigur in einem großen Bogen hinterher fliegt? Genau so muss es ausgesehen haben. Ich hab dann mit beiden Knien gleichzeitig gebremst. Hat in der ersten Sekunde auch gar nicht wehgetan. Erst hinterher. Meinetwegen hätte Moppel auch einfach weiterlaufen können, dann hätte er mich aus dem Sichtfeld der anderen gezogen. Er hätte mir auch ein Loch buddeln können, damit ich da rein springen kann. Das Ende vom Lied war: offene Hände und Ellenbogen sowie zwei dicke, blaue Knie. Einige Monate später habe ich das dann mal checken lassen: zwei lädierte Menisken, die zwar noch nicht operiert werden müssen, aber doch hin und wieder mal richtig schön wehtun. Und der Hund war sich wie immer keiner Schuld bewusst.

Ihr seht also: meine Geschichten haben Hand und Fuß und ich ein wirklich gefährliches Tier an der Leine. Es ist nur eine Frage der Zeit bis es zu einem Beißvorfall kommt.

Das hat auch die Hundetrainerin erkannt. Wahrscheinlich sind wir nur noch im Training, weil wir so viele Kurse belegen. Alle anderen, die Moppel noch nicht kennen, werden vorgewarnt, dass sie Abstand wahren sollten und auf ihre Hunde aufpassen müssen, da er jeden kaputt macht, der ihm zu nah kommt. Es ist erstaunlich, wie sich auf einmal alle Mühe geben und auf ihre Hunde aufpassen.

Aber nun mal Spaß beiseite! Moppel ist ein Pöbler, aber ein sensibler. Das kleine Sensibelchen geht nämlich davon aus, dass jeder wegläuft, den er anpöbelt. Menschen springt er einmal an und kommt dann zurück gerannt, weil die eben nicht immer panisch davon laufen. Auf Hunde stürmt er pöbelnd zu, aber wenn die nicht verschwinden dreht er im vollen Lauf ab. Und wenn er dann auch noch aus der Ferne angeschrien wird, verlässt ihn auch das letzte bisschen Mut.

Das Schlimme ist, dass er der einzige Hund im Viertel ist, der tatsächlich wie ein Hund klingt, wenn er bellt. Mit so richtigem Bass in der Stimme.

Kennt ihr diese Situationen, wenn einem klar ist, dass man gerade als Hundehalter total versagt und es einfach laufen lässt, weil man es eh nicht mehr ändern kann? So ist es uns ergangen, als wir gerade erst neu in unsere Wohnung gezogen waren. Wir kamen relativ spät mit Moppel nach Hause und dachten uns, er kann die 50m zur Wohnung auch ohne Leine laufen, so spät ist sowieso niemand mehr unterwegs. In genau dieser Sekunde kam eine Frau mit kleinem Hund um die Ecke gebogen. Moppel stürmte bellend los, Benni und ich entschieden per Blickkontakt nicht mehr zu rufen, weil es sowieso nix mehr bringen würde. Als nächstes sah man einen kleinen Hund durch die Luft fliegen und auf dem Arm seiner Besitzerin landen. Moppel blieb vor Schreck der letzte Beller im Halse stecken, zog den Schwanz ein und kam zu uns zurück- mit fliegenden Hunden hatte er nun wirklich nicht gerechnet.

Und tatsächlich weiß auch unsere Trainerin, dass Moppel vollkommen harmlos ist. (Ich schreibe das nur lieber dazu, bevor sich jemand genötigt fühlt über Rütter-Hundeschulen schimpfen zu müssen.) Und ja, sie darf den anderen auch erzählen, wie gefährlich er ist. Natürlich ist es nicht geil, die Blicke der anderen à la „Du hast einen gefährlichen Hund, was tust du überhaupt hier? Und mein Bello würde ja nie jemanden etwas tun.“ zu ertragen. Aber ich weiß, dass es zu Moppels Bestem ist. Sobald die anderen nämlich denken, er wäre kreuzgefährlich passen sie auf einmal besser auf die eigenen Hunde auf. Ansonsten würden die nämlich unter Umständen in das schwarze Tier reinbrettern und zwei Jahre Training wären hinüber.

Wenn sie merkt, dass alle verständnisvoll sind, dann löst sie die kleine Notlüge auch manchmal auf. Und wenn nicht- ich weiß, dass Moppel seine Gründe hat, wenn er jemanden anpöbelt und meistens erkenne ich die neuen „Lieblinge“ von meinem Dorfpolizisten direkt. Wenn die Polizei auf einen Einbrecher schießt, ist ja auch nicht der Polizist Schuld, oder? 😉

Es gibt dann zwar auch Menschen, die sich dann hinterher beschweren müssen und wenn dann Worte wie: schlecht sozialisiert, gefährlich, hätte lieber mal auf einen Hundeplatz gesollt oder die Hunde regeln das schon unter sich an meine Ohren kommen, dann rege ich mich schon mal auf. Auch gerne über mehrere Stunden und ich kann mich da auch schon mal reinsteigern. Aber am Ende schnarcht das schwarze Plüschtier auf seinem Kissen und es geht so gar nix gefährliches von ihm aus- dann ist wieder gut mit dem Aufregen. Immerhin geht es am Ende nur darum, was das Beste für Moppel ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s