Die Feuertaufe

Wie ich ja in einem früheren Artikel geschrieben hatte, wollen wir nächstes Jahr heiraten. Meine größte Angst ist dabei, dass Moppel die Gäste auffressen will. Gestern war nun der große Test, wo er steht und wie lang der Weg noch ist, der auf uns zukommt.

Mutti hatte nämlich runden Geburtstag! Zu dieser Gelegenheit kamen:
– meine Großeltern (eigentlich nicht weiter ein Problem)
– Bekannte meiner Eltern, die er regelmäßig sieht und mag
– Bekannt meiner Eltern, die er zwar kennt, aber nicht sonderlich mag
– Muttis Freundin mit wahnsinniger Angst vor Hunden, die er nur einmal gesehen hatte bisher
– ihr Mann, den Moppel noch so gar nicht kannte

Eigentlich sollte er zu dieser Gelegenheit gleich noch den neuen Rollator meiner Oma kennenlernen, aber leider wurde sie noch nicht aus dem Krankenhaus entlassen und konnte deswegen nicht mit dabei sein. Aber ich bin sicher, dass wir diese Situation noch nachholen können.

Das Endergebnis war:
– ein totaler Ausraster
– eine Eskalation nur um mich zu ärgern
– drei kurze Warnbeller
– ein Klauversuch
– und zwei Ansagen meinerseits.
Allerdings alles nicht in den Momenten, in denen ich es erwartet hätte. Auch wenn es noch nicht so klingt, ist es doch ein Ergebnis mit dem man zufrieden sein kann.

Moppel war schon bei den Vorbereitungen sehr aufgeregt. Meine Eltern, Benni und ich liefen hin und her ohne, dass es für ihn einem System gefolgt wäre. Kissenübungen waren in der Situation auch echt blöd, weil wir zwischen Haus und Gartenhütte hin und herliefen, alle Türen offen standen und keiner im Blick haben konnte, ob er tatsächlich liegen blieb. Am Ende blieb er einfach da, wo der Kuchen auch war- in der Gartenhütte und hatte den dann im Blick.

Dann passierte jedoch schon der erste Ausraster. Ich sah Opa den Gartenweg entlang kommen. Schwer bepackt mit einer verpackten Blume, die sein Gesicht versteckte. Ich war in einer Zwickmühle. Wenn Moppel ihn sah, würde er zu ihm laufen, ihn anspringen und im blödesten Fall würde Opa das Geschenk fallen lassen, was ihn Ärger mit Oma einbringen würde. Oder ich wartete bis er an der Gartenhütte ankam, dann würde sich aber Moppel erschrecken, er würde Opa anpöbeln,  was auch nicht viel besser wäre als die erste Variante. Hinzu kommt, dass Oma immer einen anderen Weg nimmt als Opa und Moppel sich immer bei mindestens einem von beiden erschreckt. Am Ende holte ich mir Moppel ins Fuß und ging Richtung Opa. Der Plan war mit ihm halbwegs kontrolliert zu Opa zu kommen, ihm die Blume abzunehmen und Moppel ihn dann begrüßen zu lassen. Ich war von dem Plan so überzeugt, dass ich die Leine direkt wegließ. Dummerweise hatte ich einen kleinen Denkfehler in meinem Plan. Wenn ich Opas Gesicht durch die Blume nicht sehen konnte, dann konnte es Moppel erst recht nicht.  Als Moppel nun eine undefinierbare Person den Gartenweg entlang kommen sah, stürmte er laut bellend los. Dabei schaffte er es gekonnt mein Gezeter zu ignorieren. Bei Opa angekommen, wurde dieser zuerst angepöbelt, dann erkannt und vor lauter Freude noch einmal angesprungen und begrüßt. Glücklicherweise hielt Opa das Geschenk gut fest. Moppel hatte mittlerweile erkannt, dass er Mist gemacht hatte, da ich immer noch von weitem mit ihm schimpfte. Also ergriff er sicherheitshalber die Flucht. Eigentlich sollte er mittlerweile wissen, dass ich so etwas nicht einfach auf sich beruhen lasse. Am Ende gab es eine Ansage und vor lauter Schreck vergaß er sogar Oma zu begrüßen. Das fing ja gut an!

Nach dem Kaffee wurde er dann beim Frisbee spielen nochmal so richtig ausgepowert. Dann ging es schon mit den nächsten Gästen weiter…

Als erstes kamen die Bekannten, die er eigentlich gut kennt und auch mag. Diese kamen die kleine Straße außerhalb des Gartenzauns entlang. Moppel rannte also zum Gartenzaun. Der erste Beller war definitiv ein Pöbler, danach schien er sie erkannt zu haben und dann bellte er nur noch, um mich zu ärgern- da bin ich ganz sicher! Ohne Ziel hat er in der Gegend rumgebellt. Nach einigen Bögen kam er dann auch zu mir gelaufen, wo es dann die zweite Ansage für den Tag gab. Das war auch der Punkt, wo ich die Wasserflasche hinzuziehen wollte, aber Benni hielt das für kontraproduktiv und ich war zu angespannt und beschäftigt, um sie selbst zu holen.

Da kam nämlich schon das nächste Problem. Ich hatte verdrängt, dass Mutti Essen bestellt hatte und zwei völlig fremde Menschen das Grundstück betreten. Mit diesen großen Wärmebehältern in der Hand. In meinen Kopf spielten sich die schlimmsten Szenarien ab. Nur so viel: Das Endergebnis war immer verteiltes Essen auf dem Boden und ein schwarzer Hund mittendrin, der sich bedient. Spontan wurde Moppel angeleint und ich begann mit Futter um mich zu schmeißen. Auf einmal war die Welt in Ordnung. Ich bin zu einhundert Prozent sicher, dass er die Fremden im Garten gesehen hat. Nicht ein Beller. Nicht ein Knurrer. Nur ein hochkonzentrierter Hund, der so tut, als hätte er tagelang nix zu fressen bekommen.  Also machte ich einfach weiter bis die Fremden wieder verschwunden waren.

Danach parkte ich Moppel ins Fuß und ging die Gäste begrüßen. Fast schon erstaunlich: niemand wurde angesprungen oder angebellt. Dummerweise kann man Menschen nur vor den Kopf gucken. In der Sekunde, wo ich jemand anderes begrüßte, bückte sich derjenige, den Moppel nicht leiden kann über Moppel und begann ihn zu streicheln. Ich hatte es im Augenwinkel gesehen und wollte schon „Moppel AUS!“ schreien, aber nix. Moppel freute sich den Hintern ab, dass jemand ihm Aufmerksamkeit schenkte.

Danach durfte er seinen Stress erst einmal beim Frisbee spielen auslassen- oder war es eher mein Stress? Schließlich fehlte der „Endgegner“  ja noch. Weder Muttis Freundin mit Angst vor Hunden, noch ihr Mann, den Moppel noch gar nicht kannte waren da. Meine Aufregung wuchs mit jeder Minute.

Irgendwann war es dann so weit. Mit einiger Verspätung tauchten sie auf. Ich postierte mit dem angeleinten Hund und Benni auf der Wiese und warf mit Futter um mich. Doch auch hier machten mir wieder die Menschen einen Strich durch meinen genialen Plan. Denn auf einmal standen sie vor mir, um uns zu begrüßen. Ich war so konzentriert, dass ich die beiden gar nicht mitbekommen hatte. Moppel schien es ähnlich gegangen zu sein, denn er schaute nur etwas verwirrt, als ein fremder Mann direkt neben ihm stand, sich über ihn beugte (eine Katastrophe!) und mir die Hand schüttelte. Der Schock war so groß, dass er ruhig blieb. Dagegen gingen zwei Beller an Muttis Freundin, die sich schon gar nicht richtig heran traute und zu allem Überfluss auch noch eine verspiegelte Sonnenbrille trug, aber ganz offensichtlich Moppel nicht aus den Augen ließ. Ihre Angst wurde natürlich bestätigt, aber für Moppel war dann auch wieder gut.

Am Tisch parkte ich ihn dann auf einem Kissen neben mir. Nur der Platz war blöd gewählt. Aufgrund des begrenzten Platzes, musste die Hälfte des Tisches regelmäßig an mir und Moppel vorbei. Damit die nicht immer alle über Moppel steigen mussten, habe ich ihn immer mitgenommen und auf der anderen Seite des Raumes in einer Ecke im Sitz geparkt. Dort saß er dann, ohne zu Murren und wartete bis sich alle mit ihren vollen Tellern wieder gesetzt hatten. Er hat sich keinen Zentimeter bewegt, obwohl die Leute mit vollen Tellern mit ihm sprachen und da noch ein voll gedeckter Tisch war.

Auch auf seinem Kissen war er über-brav. Kein Betteln, kein Kommentar, wenn die anderen sich bewegten. Er lag einfach da und schlief. Ein bisschen geschnarcht hat er- durfte er aber auch.

Nach dem Essen wurde noch einmal kurz Stress abgebaut- mal wieder meiner natürlich. Irgendwann entfernte ich dann auch die Leine, die bis dahin noch zur Sicherheit dran war. Was sollte schon noch passieren?

Zwischenzeitlich kroch er in Zeitlupe von seinem Kissen herunter. Da der letzte Zipfel seiner Beine noch auf dem Kissen waren, haben wir auch nix gesagt- bis wir erkannten, was sein Plan war. Neben Bennis Stuhl stand nämlich der Futterbeutel auf dem Boden und den wollte er erreichen. Den Diebstahl konnten wir gerade noch verhindern.

Erst gegen halb elf Uhr abends schlich er dann wieder von seinem Kissen runter. Da begann nämlich irgendwo ein Feuerwerk. Moppel sucht sich dann lieber eine dunkle Ecke unter einer Bank, wo ich ihn sehen konnte und er sich einrollte, um weiter zu schlafen. Deswegen durfte er dort auch bleiben.

Alles in allem war ich sehr zufrieden. Die zwei Ausraster hätte er sich sparen können, aber am Ende des Tages war ich wirklich stolz auf ihn. Noch vor einem Jahr wäre er mehrere Male komplett ausgerastet, sei es nun, weil sich jemand über ihn beugt oder weil Fremde in „seinem“ Garten stehen. Tatsächlich habe ich gelernt, dass Moppel nicht das Problem darstellt, sondern die Gäste selbst. Bei dem schwarzen Tier erkenne ich mittlerweile relativ zügig, was in dem Knetballen in seinem Kopf vorgeht. Bei den Menschen nicht. Allerdings kann ich auch nicht jedem eine Gebrauchsanweisung für den Hund in die Hand drücken. Es ist also noch wichtiger, dass jeder Moppel kennenlernt, damit wir allen seine- zugegeben etwas speziellen- Charakterzüge erklären können. Das wird ein Spaß!

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