Im Urlaub

Mitte September haben wir uns mal ein verlängertes Wochenende Ruhe gegönnt. Um genau zu sein, war es Muttis Geburtstagsgeschenk- ein Familienausflug. Selbstverständlich gehört zur Familie Moppel, aber ein Urlaub mit Hund ist tausendmal anstregender als mit Kind (denke ich zumindest!)

Und so fing der Urlaub schon beim Packen an. Hab ich alles für den Hund? Reicht sein Kissen aus der Box oder braucht er ein Extra-Kissen? Wie viele Kauartikel werden eingepackt? Moppel war da keine große Hilfe. Die Rinderohren hätte er am liebsten direkt wieder ausgepackt und auf die Frage hin, ob ich alles für ihn habe, wurde ich ignoriert. Tolle Hilfe!

Kurz vor Abfahrt musste dann noch Mr Mümmel zur Urlaubsbetreuung zu Opa gebracht werden. Im Garten ging das gleiche Elend wieder los. Wie viel Heu muss ich einpacken? Wie viele Körner frisst das verfressene Tier? War noch Stroh da?

Irgendwann am Freitag vormittag war dann der Hase abgegeben (Ich bin sicher Moppel hatte schon Panikattacken, dass das Langohr auch mitkommt!) und wir machten uns auf den Weg Richtung Oberlausitz. Moppel schlief ruhig in seiner Box und in meinem Kopf ging der Kinofilm los, was ich nun vergessen hatte.

Kurz vor Dresden machten wir dann eine kleine Pause. Benni besorgte etwas essbares und ich wollte Moppel ein wenig mit Futtersuchspielen beschäftigen. Also suchte ich mir mitten auf diesem riesigen Parkplatz ein kleines Stück grün und begann mit Futter um mich zu werfen. Nun ja, es war nicht meine glorreichste Idee das auf der Wiese zu tun, wo alle vorbeigehen. Es dauerte nicht lange, da kam der erste Rentnertrupp auf dem Weg zur Toilette an uns „vorbeigerannt“. Auf dem Weg zur Toilette war noch alles gut. Immerhin hatten es die Rentner eilig als erste auf dem stillen Örtchen anzukommen. Das Problem war der Weg zurück zum Bus. Da hatten sie ja Zeit und der schwarze Hund ist ja soooooooooooooooooooooooo niedlich. Ich war kurz davor zu sagen: „Dem Nächsten, der stehen bleibt, mit dem Finger auf ihn zeigt und sagt, wie niedlich er doch ist, dem beißt der Hund den Finger ab.“ Dummerweise hätte das wenig Sinn gehabt, denn es kamen Massen an Rentnerbussen. Ich sag es mal so: Wenn alle Menschen auf dem Parkplatz ein Querschnitt der Bewohner Deutschlands darstellen, dann hat dieses Land ein echtes Problem! Ich hatte Schweißausbrüche und überlegte, wie ich durch die Massen zurück zum Auto komme bevor Moppel sich entscheidet, dass er „Gammelfleisch“ doch mag. Zum Glück war der mit seiner Suche nach Futter beschäftigt und irgendwann ergab sich eine Lücke, um den Hund sicher zum Auto zu bringen.

Kurze Zeit brachte ein Stau meinen Kopf wieder zum Explodieren. Was zum Teufel tun wir, wenn der Stau jetzt richtig, richtig lange dauert? Sowas hört man ja immer mal wieder, dass über Nacht alles still steht. Das verrückte Tier pinkelt und kackt nicht auf Asphalt. Ich müsste mit ihm in den Mittelstreifen klettern oder weit genug laufen, bis auf der rechten Seite irgendwann Grünzug auftaucht. Vorher würde er uns aber stundenlang mit seinem Gesinge ein Ohr abkauen, um uns mitzuteilen, dass er mal muss. So fängt ein Urlaub so richtig entspannt an! Nun ja, tatsächlich standen wir gar nicht so lange im Stau. Vielleicht sollte ich wirklich mal mit Yoga oder Meditation anfangen, um die bösen Gedanken zu vertreiben. Yoga auf dem Beifahrersitz macht sich bestimmt total gut.

Am Nachmittag waren wir dann auch irgendwann angekommen und da fiel mir auch wieder ein, warum wir eigentlich keinen Urlaub mehr mit den Eltern machen. Ich bin zu alt dafür! Innerhalb von 5 Minuten waren der Hund und ich auf 180. Benni war die Ruhe in Person. Ich habe keine Idee, wie er das macht. Direkt wurde ein Stück getrocknete Lunge in den Hund geschoben. Der war selig und ich fragte mich, warum genau ich überhaupt Futter eingepackt hatte. Glücklicherweise hatten wir einen Doppelbungalow, also hatte jeder sein Reich für sich. Die Terrasse vor den Bungalows war eingezäunt, sodass Moppel dort unangeleint sein konnte. Alles in allem ein wirklich schönes Feriendorf. Direkt hinter unserem Bungalow war ein riesiger See, der auch gleich von Moppel ausprobiert wurde. Zum Glück war der Bademantel mit dabei! Irgendwo auf dem Gelände soll wohl auch ein Trainingsgelände mit Parcours gewesen sein, den wir natürlich geflissentlich mieden. Und diese Ruhe! Sowas tut einfach nur gut.

Am Samstag hatten Benni und ich einen Moppel-freien-Tag. Das klingt erstmal schön. War es auch, aber ich machte mir permanent Gedanken, ob alles in Ordnung ist. Deshalb rief ich auch ungefähr 5mal innerhalb von 6 Stunden meine Eltern an, um zu fragen, ob es dem Hund gut geht. Die sind da natürlich wesentlich lockerer unterwegs als ich. Da sind sie halt einfach mal mit dem Hund in ein Freilichtmuseum gegangen. Ich arbeite in einem und habe mich erst 2mal mit Moppel auf das Gelände gewagt. Einmal davon war übrigens außerhalb der Öffnungszeiten.

Als wir am Nachmittag zurück kamen, empfing uns ein freilaufender Hund. Bis dahin waren alle Hunde immer angeleint gewesen. Das kleine Tier war auch schon der Meinung das gesamte Gelände gehörte ihm und bellte uns erst einmal an. Zum Glück war Moppel gut gesichert im Bungalow. Und wisst ihr, was das Highlight war? Die kamen aus unserer Heimatstadt und kannten auch noch meinen Vater! Da fährt man 300 km, damit die Idioten von daheim ihren Hund unangeleint umherschwadronieren lassen. Ein ganz schlechter Witz!

Am nächsten Tag hatten Benni und ich Moppel-Dienst. Wir entschieden uns für eine 8 km Wanderung auf dem „Naturerlebnispfad Guttauer Teiche und Olbasee“. Das war eine sehr schöne Wanderung. Allerdings hatten wir nicht bedacht, dass die Wege zwischen den Seen teilweise sehr eng wurden und ich mich unwohl fühle, wenn ich keinen Ausweichweg mit dem schwarzen Tier habe. Ein Ausweichweg bedeutet bei mir mindestens 200m Platz in jede Richtung. Glücklicherweise trafen wir auf dieser Strecke keinen Hund, aber Radfahrer, Moppel-Glotzer und Schnellwanderer. Erstaunlicherweise blieb das Tier wirklich entspannt. Auch an den Schwänen ließ er sich vorbeiführen. Okay. Ich will ehrlich sein. Ich bin einfach so schnell gelaufen, dass die Schwäne nicht gemerkt haben, dass da einer Streit sucht.

Das Highlight war dann eine Familie mit unendlich vielen Kindern. Die Kinder machten erstaunlicherweise Platz und versuchten nicht den Hund anzufassen. Irgendwann kam dann ein Kind, das Schilf gesammelt hatte. Und ich hatte Moppel in der Leine hängen, der unbedingt das Schilf klauen wollte, weil es aussah wie ein Stock. Das Tier darf nie mit einem Stock spielen! Aber wenn man einen klauen kann, dann muss man den klauen!

Auf der wirklich gut ausgeschilderten Strecke mit vielen Erlebnispunkten haben wir es dann tatsächlich auch geschafft uns zu verlaufen. Das schaffen wir immer. Auf absolut jeder Wanderung.

Das Grauen erwartete uns dann bei der Rückkehr. Zuerst hörten wir bellen. Also ging ich ein Stück vor, um zu sehen, ob sich Benni mit der schwarzen Bestie langsam vorarbeiten kann. Dummerweise kam das Bellen von unserem Bungalow. Um genauer zu sein wohnten in dem Bungalow, welcher senkrecht zu unserem stand, auf einmal 4 Pudel, die ein echtes Ego-Problem hatten. Das nützte nix. Die schwarze Bestie musste wohl oder übel daran vorbei. Erstaunlicherweise war er ganz lange still. Im Gegensatz zu den Pudeln, die immer lauter wurden. Irgendwann stellte Moppel dann doch fest, dass wir direkt auf diese Monster zugingen und wir keine Anstalten machten auszuweichen. Da ist er komplett ausgerastet. Naja, was soll ich sagen. Er hatte recht. Irgendwann soll er ja mal ein tiefenentspannter Hund sein, aber wenn 4 Idioten dich anschreien, dann muss man auch mal zurückschreien. Die Reaktion der Besitzer war übrigens grandios. Sie hielten sich die Ohren zu und sagten noch: „Och guckt mal da! Ein Hündchen!“ Allein für die Bezeichnung Hündchen hätte Moppel denen schon gern in den Arsch beißen können. Als hätten die 4 Pudel Moppel noch nicht gesehen.

Von diesem Augenblick an habe ich dann die Zeit bis zur Abreise herunter gezählt. Diese Menschen saßen gefühlt 24/7 auf ihrer Terasse und die Pudel immer um sie herum. In solchen Nosituationen haben wir einen Plan. Wer auch immer morgens als erster auf Toilette muss, muss sich anziehen und dann (teilweise noch mitten in der Nacht) mit dem Hund pullern, damit wir nicht in die Pullerrunden der anderen kommen. Am Sonntagmorgen hatte Benni die Arschkarte gezogen. Aber schon morgens halb 7 war Gebelle zu hören. Also wartete er. Das Gebell kam immer näher. Dann sah er zwei Frau mit 4 Pudeln OHNE LEINEN!!! Die sprangen kreuz und quer und verbellten alles, was sich bewegte. Grundsätzlich bin ich ja dafür, dass Hunde auch mal frei laufen sollten, aber in einem Feriendorf und wenn sie total ungezogen sind sollten sie angeschnallt bleiben. Bei denen traf alles beides zu.

Das schlimmste war, dass das Züchter waren. Die hatten ganz groß Werbung auf ihrem Auto kleben. Und die Menschen hatten sich zur Aufgabe gemacht, unser schwarzes Biest zu ärgern. Und ich ärgere mich dann immer, dass er sich ärgern lässt. Wenn wir zum Essen gegangen sind, dann blieb er immer im Bungalow, was ja auch grundsätzlich kein Problem ist. Er liegt dann auf der Couch und freut sich ein Bein ab, dass er sich dorthin geschlichen hat, obwohl er auf sein Kissen sollte. Dummerweise hatte er so auch das Fenster im Blick und wenn so ein Trottel vor dem Fenster ohne Grund auf und ab geht, dann ärgert ihn das. Das ärgert ihn so sehr, dass er gerne durch das Fenster steigen würde, um dem Trottel den Arsch aufzureißen. Das hätte ich auch gern getan. Aber sowas darf man ja nicht in einer zivilisierten Welt.

Ich war also wirklich dankbar, als wir uns dann auf die Heimfahrt machten. Das gute an Heimfahrten ist ja, dass man einfach alles einpacken muss, was vorher nicht im Bungalow war. Also Hund in seine Box. Der Rest wurde einfach in den Kofferraum geworden und dann ging es ohne große Pause zwischendurch nach Hause. Moppel schlief, als hätte er das seit 3 Jahren nicht mehr getan und setzte das zu Hause dann auch fort.

Was sagt uns das? Zu Hause ist es doch am Schönsten. Da kennt man die anderen Idioten schon so lange, dass man vorbereitet ist.

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