Die Weihnachtsauflösung

Vor einiger Zeit hatte ich euch ja berichtet, dass ein ziemlich chaotisches Weihnachtsfest ins Haus stand mit allem was Moppel so gar nicht leiden kann: fremde Menschen und Kinder (Hier gehts zum Beitrag). Eigentlich hätten nur noch Hunde gefehlt, um das Chaos perfekt zu machen.

Ich habe mir über das Fest so den Kopf zerbrochen und mit Moppel geübt und geplant, dass gar keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen konnte. Irgendwann war es mir dann egal. Natürlich ist es nett, wenn man von der Schwiegerfamilie gemocht wird, aber wenn sie es mir unnötig schwer machen, kann ich es auch nicht ändern. Schließlich sehen wir die auch nur ein bis zwei Mal pro Jahr und Benni hat sich schon für Moppel und mich entschieden. (Er hat auch nur noch 3 Monate, um es sich anders zu überlegen.) Als ich an diesem Punkt angekommen war, war mir der Rest dann auch egal. Irgendwie war mir auf einmal klar, dass Moppel als kann, was er können muss. Ich habe ihm vertraut und war relativ ruhig. Im schlimmsten Fall hätte ich eine kurze Ansage starten müssen und dann wäre auch gut gewesen. Tatsächlich hab ich die Ansage genau einmal gebraucht.

Wir kamen also dort an und ließen Moppel erst einmal kurz im Auto. Wir brachten alle mitgebrachten Geschenke hoch, begrüßten alle Anwesenden und richteten Moppels Liegeplatz ein. Bennis Oma hatte schon einen Liegeplatz auserkoren und eine riesige Decke ausgebreitet. Die hatte ursprünglich dem Kind gehört (gehört jetzt aber Moppel) und nahm in dem kleinen Raum relativ viel Platz weg. Da das schwarze Tier ja etwas seltsam ist mit fremden Decken, haben wir sein eigenes Kissen drüber gelegt. Ich gebe zu, wir hätten es wenigstens vorher reinigen können, aber dreckig und muffend mag er es am liebsten. Dann hielt Benni eine kurze Ansprache, dass wir den Hund holen würden, verbunden mit der Bitte, dass alle ihn ignorieren sollten. Die Ansprache hätte er auch unserem Kühlschrank halten können. Der wäre wenigstens still gewesen und hätte so getan, als würde er zuhören.

Benni ist dann los, um das Getier zu holen. Ich habe in der Zwischenzeit den Flur frei gehalten. Die Tür geht auf, Hund kommt rein und –zack- steht Bennis Mutter in der Tür, um den Hund zu begrüßen. Der hatte sich ja schon gefreut mich wiederzusehen, weil wir 5 Minuten getrennt waren. Benni versuchte also in dem fürchterlich kleinen Flur seine Schuhe auszuziehen, während Moppel (kurz vorm Herzinfarkt) wild hin und her wuselte. Ich versuchte ihn zu beruhigen, während Bennis Mutter ihn durch ihre Begrüßung weiter anstachelte. Zu guter Letzt steckte dann seine Oma den Kopf durch die Tür und wurde direkt mit einem Beller begrüßte. Die 20 Sekunden, die ich zum Beruhigen von Moppel genutzt hatte, hatte das Kind genutzt, um Richtung Flur zu kriechen und saß nun mitten in der Tür, durch die wir mit dem Getier mussten. Die Eltern, die ja immer super aufpassen, waren gerade im Gespräch und bemerkten nicht, dass ihr Kind kurz davor stand Lebendfutter zu werden.

Selbst ein Katzenmensch hätte erkannt, dass Moppel das kleine Wesen hochgradig suspekt war. Immerhin starrte es ihn auch noch an! Was macht man also als fürsorgender Hundebesitzer. Man steigt über das Kind, um den vorher deponierten Maulkorb zu holen. Schließlich wollte ich nicht die ganzen Fragen der Versicherung beantworten müssen, wie so ein kleiner Hund ein ganzes Kind schlucken kann. In der Zwischenzeit hatte Bennis Mutter das Kind beseitigt. Und wir konnten einen, immer noch ziemlich eingeschüchterten, Moppel zu seinem Kissen bringen.

Okay. Der Platz war fürchterlich suboptimal. Direkt neben dem Durchgang zum Wohnzimmer, wo jeder vorbei musste, der den Raum verlassen wollte. Also hab ich mich sicherheitshalber erstmal vor ihn gestellt bis alle auf ihren Plätzen waren. Dann hab ich den Maulkorb abgemacht und Moppel ein Stück getrocknete Rinderkopfhaut ins Maul gesteckt. Futter war bei ihm schon immer eine gute Lösung. Auch als er fertig war, ist er tiefenentspannt auf seinem Kissen geblieben und hat alle der Reihe nach beobachtet. Kein Gejammere, kein Knurren, wenn jemand seinen Blick getroffen hat.

Nach dem Mittag half ich selbstverständlich beim Abräumen. Moppel lag auf seinem Kissen und von Benni hatte ich das Versprechen, dass er Moppel und die Familie im Blick hat. Kaum in der Küche angekommen, vernahm ich einen einzelnen Kläffer. Im Wohnzimmer fand ich einen Hund auf dem Kissen und einen aufgeregten Benni, der mir erklärte, es sei alles so schnell gegangen. Was wirklich passiert war? Onkel Horst, der Bruder der Oma, war aufgestanden und hatte dem schwarzen Tier im Vorbeigehen den Kopf getätschelt. Ich hatte Onkel Horst auf meiner Agenda. Benni anscheinend nicht. Schon allein durch seine tiefe Stimme und den massigen Körper, der sich nur behebig bewegt, finde ich ihn schon etwas unheimlich und seltsam. Was soll da der Hund denken?

Als Onkel Horst zurückkam, habe ich mich sicherheitshalber höchstpersönlich vor Moppel gestellt. Wenn du willst, dass es richtig gemacht wird, dann mach es selbst! Wie erwartet, wollte er die Bestie wieder streicheln und vernahm hinter mir ein leises Knurren. Aber dann streckte Onkel Horst die Hand aus… Und was tut der Mini-Labbianteil in meinem Hund? Er geht erstmal schnuppern. Der unheimliche Typ könnte ja etwas Fressbares in der Hand haben. Selbstverständlich kenne ich das verrückte Tier und habe seinen Kopf vorsichtig streichelnd an mein Bein gedrückt. Es läuft nämlich immer gleich ab: Boah der könnte Futter haben!… Kacke, der hat nix!… Der ist schon ganz schön unheimlich!….Grrr….. Moppel wohnt ja nun nicht erst seit gestern bei mir. In der Zwischenzeit musste ich mir anhören, dass der Hund doch zu ihm will und, dass Moppel seltsam ist (Das weiß ich selbst…) und aussieht wie ein Marderhund… Gut, dass ich Heiligabend mein Gehör auf Durchzug hatte.

Onkel Horst verabschiedete sich dann nach Hause und das Kind wurde zum Mittagsschlaf durch Rostock geschoben. Es waren nur noch Bennis Eltern, seine Oma und wir übrig. Moppel beobachtete uns noch 5 Minuten, fiel zur Seite um und schlief. Er träumte sogar.

Den Zeitpunkt für einen Verdauungsspaziergang wählten wir intuitiv so geschickt, dass wir Bennis Schwester samt Kind gerade im Treppenhaus trafen. Danach konnte Moppel beim Apportieren auf einer Grünfläche erst einmal Dampf ablassen. Das tat ihm auch wirklich gut.

Zum Kaffeetrinken dann das gleiche Spiel. Hund auf Kissen, Kopfhaut in den Hund, Kind weg, Hund schläft, Kind da, Hund geht spazieren. Das hat wirklich einwandfrei funktioniert. Zurück waren wir dann immer pünktlich zur nächsten Mahlzeit.

In den Essenspausen für die Menschen, gab es immer Leckerlies für den Hund. Bennis Mutter arbeitet bei dm und deckt sich dort immer mit Hundeleckerlies ein. Bennis Oma war sowieso schockverliebt. Wäre es nach ihr gegangen, hätte Moppel die ganze Zeit bei ihr bleiben können. Wir konnten sie nur knapp davon abbringen 3 Kilogramm Rindfleisch für den Hund zu kaufen. Schließlich „braucht der kleine doch auch was zum Futtern“. Selbstverständlich hätte sie das Fleisch beim Fleischer besorgt. Das gute Zeug.

Zur Bescherung bekam der Verfressene sein Weihnachtsgeschenk zuerst. Ein Stück Ferse mit Achillessehne. Er hat sich gefreut. Und war die ganze Zeit beschäftigt, während alle geschäftig um ihn herumwuselten und Geschenke verteilten. Er war in seiner eigenen kleinen Welt.

Nach dem Abendessen kam es kurz zur Schrecksekunde für mich. Das Kind wurde auf den Boden gestellt und lief (mit der gebückten Oma hinter ihr) direkt an Moppels Kissen vorbei. Muffpiet wirkte leicht pikiert, dass jemand so nah an sein Kissen kam. Normalerweise darf ich da geradeso mit drauf. Aber nur wenn er gut gelaunt ist. Jedenfalls ist er aufgestanden und Richtung Kind gelaufen. Ich hab mich sicherheitshalber mit Sektflasche in der Hand dazwischen geworfen. Ich denke nicht, dass Moppel noch Hunger auf Kleinkind hatte, aber er sollte auch nicht in eine doofe Situation gebracht werden. Am Ende wollte er nur mal gucken gehen und das Kind tatscht ihm ins Auge. Vielleicht wollte er ihr auch nur die Leberwurst von den Fingern lecken. Schließlich hatte er sie beim Leberwurstbrotessen genau beobachtet. Auch da musste ich Moppel zu Hilfe eilen. Die Leberwurst dort schmeckt einfach nicht so gut wie in Thüringen!

Die Gefahr war abgewendet. Weitaus mehr Mut erforderte es Bennis Oma zu erklären, dass sie Moppel keine 10 Wiener Würstchen zum Frühstück einpacken muss. Bei ihr habe ich immer das Gefühl, dass sie enttäuscht ist, wenn man Essen ablehnt. Das schwarze Getier war mindestens genauso enttäuscht.

Zurück in unserer Ferienwohnung in der Nähe von Graal-Müritz konnten wir dann endlich komplett entspannen. Die Ferienwohnung „Flaschenpost“ ist nebenbei bemerkt wirklich zu empfehlen. Es wurde an viele kleine Details für die Vierbeiner gedacht und der Wald ist auch gleich um die Ecke.

Am Abend lagen wir dann im Bett, das Licht brannte noch und Benni und ich unterhielten uns noch. Moppel versuchte auf seinem Kissen neben meiner Betthälfte zu schlafen. Anscheinend wollte ihm das aber bei Licht und Gelaber nicht gelingen. Irgendwann brummte es und sein Kopf tauchte über der Bettkante auf. Sein Blick war so ernst und ausdruckslos zugleich. So hat er noch nie vorher geguckt. Ich konnte nicht mehr vor Lachen. Nachdem uns die Bäuche lange genug vom Lachen und Essen wehgetan hatten, haben wir Moppel aufs Bett gelassen. Okay, eigentlich soll man das ja nicht. Aber es war Weihnachten. Er ist dann auch initial eingeschlafen und ausgedünstet. Aber was hatte ich nach dem vielen Futter auch anderes erwartet?

Am 1. Weihnachtsfeiertag waren wir bei Bennis Großeltern, die die Hunde nicht leiden können, zum Essen eingeladen. Also besser gesagt sind wir in einem Hotel Essen gegangen. Moppel wurde morgens eine große Runde bewegt und musste dann leider allein bleiben. Wir vermuten jedoch, dass er ganz dankbar dafür war. Schließlich konnte er in Ruhe schlafen.

Tatsächlich haben es dann Bennis Großeltern geschafft meinen Weihnachtsvorsatz mit „Ohren auf Durchzug“ auf eine harte Probe zu stellen. Als wir uns nach dem Kaffeetrinken auf den Weg machen wollten, erklärte sie uns, dass der Hund jetzt bestimmt alles vollgeschissen und zerlegt hätte, aus Frust weil er alleine bleiben musste. Erstens kann Moppel alleine bleiben. Wenn er es nicht könnte, würde ich ihm das nicht antun. Zweitens hat er absolut noch nie in die Wohnung gekackt. Und drittens waren die Großeltern der Grund, warum der Hund zu Hause bleiben musste.

Glücklicherweise waren wir abends noch einmal bei Bennis anderer Oma. Die von Heiligabend. Die mag ich wirklich gern. Und sie wollte uns gern noch einmal sehen. Deswegen sind wir eine halbe Stunde von Rostock nach Graal-Müritz gefahren, nur um das Moppeltier einzuladen. Selbstverständlich dann die ganze Strecke zurück.

Als wir angekommen waren, durfte sie Moppel selbstverständlich Wiener füttern und die restlichen dm-Leckerlies der Mutter. Er hat ihr sogar den Gefallen getan, das Futter kurz zu „kauen“. Die beiden sind jetzt Freunde. Irgendwann saß er dann neben ihr und hat sich an ihr Bein gelehnt, um sich Streicheln zu lassen.

Zum Schluss hat sie dann zu uns gesagt: „Also so einen erzogenen Hund hab ich ja noch nie erlebt. Ihr habt nur einmal gesagt, dass er auf sein Kissen soll und dann ist er da geblieben. Der ist ja gar nicht aufgefallen. Das hab ich heute gleich meiner Freundin am Telefon erzählt. So ein Lieber!!! Natürlich hat er mich angebellt. Darf er ja auch. Wenn ich so dumm bin und mich über ihn beuge. Ich weiß doch, dass man das nicht macht. Und so schönes Fell hat er. Der glänzt ja richtig. Und diese schönen braunen Augen. So groß. Den hast du dir richtig ausgesucht. Einen besseren hättest du nicht finden können. Genau wie beim Mann.“

Also das ging dann runter wie Öl und hat alle blöden Kommentare vergessen gemacht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s