Die Hochzeit

Am 9.Juni 2018 war es endlich soweit und Benni und ich haben uns noch einmal im größeren Rahmen mit einer freien Traurednerin das Ja-Wort gegeben.  Das Wichtigste war uns, dass Moppel an unserer Seite ist und genau diese Entscheidung hat mir im Vorfeld besonders viel Kopfzerbrechen bereitet.

Eigentlich sollte ich mittlerweile wissen, dass ich mir immer zu viele Sorgen mache. Stattdessen hat mir alles an diesem Tag Kopfzerbrechen bereitet.

Alles fing mit meiner glorreichen Idee an, dass Moppel die Ringe bringen sollte. Dazu musste er einen Korb tragen, welcher mit Moos gefüllt war, worauf die Ringe festgebunden waren. Soweit so gut. Doch wollte er dieses Körbchen einfach nicht festhalten. Plan B ging auch in die Hose. Er sollte mit meiner Trauzeugin einlaufen. Dafür wollte ich ein schönes Fußlaufen ohne Leine sehen. Doch auch diese Idee war zum Scheitern verurteilt, weil das kleine schwarze Biest einfach niemanden außer uns wirklich ernst nimmt. Kacke!

Die nächste große Angst war, dass Moppel einige Familienmitglieder noch gar nicht kannte. Sowohl solche die Hunde nicht so mögen und sie weitestgehend ignorieren, als auch solche, die ihn allein anhand von Fotos schon mitnehmen würden.

Zusätzlich zu den unbekannten Familienmitgliedern kamen noch fremde Menschen, die ich vorher auch nicht kannte- also zum Beispiel die Angestellten der Burg, wo wir gefeiert haben.

Wie haben wir die Probleme gelöst bekommen? Tatsächlich haben die sich zum größten Teil selbst erledigt. Ich hätte nie gedacht, dass ich das irgendwann mal sagen würde, aber: Moppel mag Menschen. Er findet es schon gelegentlich geil im Mittelpunkt zu stehen und von allen bekrabbelt zu werden.

Außerdem habe ich noch einige andere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Zuerst hat er die Fotografin (die kennt er schon eine Weile) und die Traurednerin kenngelernt. Beide sind zum Glück Hundemenschen und es war kein Problem Moppel zu den Vorgesprächen mitzubringen. Dann habe ich eine „Hochzeitszeitung“ geschrieben, wo detailliertere Informationen zum Tagesablauf aufgeschrieben waren. In einem Abschnitt habe ich dann auch darauf hingewiesen, dass die Gäste Moppel während der Trauung nicht anzusprechen haben, da er eine wichtige Aufgabe habe und die bunte Glitzerknete in seinem Kopf, diese dann einfach vergessen würde. Und zu guter Letzt habe ich mit meiner Trauzeugin (Ein riesiges Dankeschön an sie!) kleine Tüten für die Gäste gebastelt. Da war alles drin, was man für eine Trauung so brauchen könnte: Taschentücher, Hustenbonbons, Seifenblasen, Schnaps und eine kleine Leckerliestange für Moppel. So konnten sich im Laufe des Tages alle bei ihm einschleimen.

Mehr konnte ich dann aber wirklich nicht vorbereiten. Stattdessen musste ich die Männer schon am Morgen allein lassen, um rechtzeitig fertig zu werden. Was ich nicht wusste: Auch Benni hat Moppel abgegeben. An seinen Trauzeugen und dessen Freundin. Die beiden hatten die Aufgabe die schwarze Bestie im Zaum zu halten. Ich hatte mich in der Zwischenzeit durch den Hintereingang reingeschlichen und konnte das Treiben heimlich beobachten. Moppel musste man nicht sehen, man konnte ihn hören. Aber nicht bellen. Eher war es ein lautes und aufgeregtes Jammern, gelegentlich auch ein Heulen, wenn Gäste kamen, über die er sich besonders gefreut hat.

Als er dann nach drinnen gebracht wurde, habe ich schon gesehen, dass er schon vor der Trauung komplett drüber war. Die Glitzerknete war schon explodiert.  Das hat man an den schielenden Augen gesehen. Aber nun gut, da mussten wir jetzt durch.

Ich setzte ihn also vor mich und gab ihn den Korb ins Maul. Dann schickte ich ihn zu Benni.

Kurzer Rückblick: Am Tag zuvor hatten wir eine kleine Generalprobe vor Ort. Die lief so: Moppel sitzt, kriegt den Korb ins Maul und wird geschickt. Moppel läuft zielstrebig los und ich bin begeistert. Doch dann biegt er am Ende der Treppe, die er herunterlaufen musste nach rechts ab- ins Restaurant. Mit dem Korb! Auf Rufe hat er nicht reagiert. Ich vermute er hat kurz in der Küche vorbeigeschaut. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam er wieder- mit Korb im Maul und war ganz irritiert, dass er Benni nicht gefunden hat.

Die Bilder hatte ich in der Sekunde im Kopf. Doch Moppel lief schnurstracks geradeaus. Jedoch nahm er denn nicht den Mittelgang zwischen den Gästen sondern er schwenkte nach links aus und lief um die Gäste herum zu Benni. Die Fotografin war überrascht und die meisten Gäste haben ich erst gesehen, als er- zum Glück mit Korb und Ringen- bei Benni ankam. So startete die Hochzeit gleich mit einem Lacher. Also war alles gut.

Moppel sollte dann auf seinem Kissen liegen bleiben. Dort lag er auch ohne zu Jammern. Aber da das Signal nicht von uns kam, ist er immer mal wieder aufgestanden und durch die Gästereihen geschlichen.  Dazu kommt noch, dass er nicht mit weinenden Menschen umgehen kann. Er ist dann besonders schnell überfordert. Und es wurde viel geweint. Deswegen kam er immer mal nach mir uns Benni sehen. Allerdings hatte ich der Traurednerin versprochen nicht um den Hund herum zu  helikoptern und daran hielt ich mich.

Zum Anstoßen stromerte das schwarze Tier dann einfach durch die Gästereihen und kontrollierte, wo er ein Leckerlie abgreifen konnte.

Im Anschluss gab es Kaffee. Moppel verbrachte die Zeit in seiner Box und schlief den Schlaf der Gerechten. Zuvor erlaubte er sich noch einen kleinen Schabernack. Unser DJ saß in einer Nische im Raum und war über die Location gebucht wurde. Er wusste nicht, dass wir mit Hund kamen und hatte ihn auch nicht wahrgenommen. Er saß also an seinem Computer, während Moppel seine Runden beim „in-den-Raum-kommen-Chaos“ drehte. Er stromerte also auch durch die Nische und direkt durch die Beine des DJs, welcher daraufhin erschrocken zusammenzuckte. Die schwarze Bestie freute sich darüber und freundete sich direkt mit dem DJ an.

Seinen großen Auftritt hatte er dann bei einem Spiel. Benni und ich bekamen Schwimmflossen an die Füße und damit mussten wir mit Geld gefüllt Luftballons zertreten. Moppel erinnerte sich an sein Silvestertraining, kam aus seinem Versteck angeflitzt und hat uns geholfen indem er die Ballons zerbissen hat. Alle haben Tränen gelacht.

Und so lief der Tag vor sich hin. Moppel war irgendwie immer mit dabei und wenn es ruhig wurde, schlief er in einer kleinen Nische direkt hinter uns. Als es später wurde, hörten wir dann ein leises Schnarchen durch die Musik. Die tanzenden Menschen interessierten ihn nicht die Bohne. Ich glaube am Ende hatte er alle Gäste und das Personal bezaubert. Von fast jedem hörte er mindestens einmal ein „Sitz“. Dann setzte er sich und setzte noch ein „Männchen“ oben drauf. Wir können wirklich froh sein, dass ihn niemand geklaut hat. Diese Gefahr ging definitiv auch von den Angestellten der Burg aus. Die waren wunderbar. Noch bevor Moppel sich überhaupt irgendwohin legen konnte, hatte er einen gut gefüllten Wassernapf stehen, er wurde gestreichelt und durfte auch der Küche ab und an mal einen Besuch abstatten- immer wenn wir nicht aufgepasst hatten. Auch auf unserem Zimmer war alles perfekt für Moppel. Dort hat eine Plüschhundehütte auf ihn gewartet, die leider etwas zu klein für ihn war. Außerdem gab es Wasser und Futternäpfe, die sogar mit Leckerlies gefüllt waren.

Abends lagen wir dann total kaputt im Bett und waren einfach nur begeistert, wie cool unser Hund doch geworden ist.

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