Moppel und der Wurm

Keine Angst! Ich erzähle hier nicht wie Moppel einen Regenwurm erlegt und gefressen hat- dafür ist er ein viel zu schlechter Jäger.  Vielmehr zieht in den nächsten Monaten ein Baby bei uns ein.

Wo soll da jetzt das Problem liegen fragen sich sicherlich manche. Wir erinnern uns noch einmal kurz zurück. Pfingsten 2013. Die Tierheimmitarbeiterin sagte zu mir: „Er hat einige Probleme mit Kindern. Die letzte Familie, zu denen er auf Probe vermittelt war, musste er verlassen, weil er mit den Enkeln nicht klar kam.“ Meine Antwort: „Kein Problem. Kinder sind eh nicht geplant.“ (Vielleicht hätte ich ihn auch genommen, wenn sie mir gesagt hätten, dass er ab und an mal ganze Kinder frisst.)

Und jetzt stehen wir da. 5 Jahre später. Schwanger. Mit einem entspannteren Hund, der Kinder immer noch nur so semigeil findet.

Die Entscheidung zu Kindern kam erst mit Benni. Und nachdem wir die Diskussion Zweithund oder Kind geführt hatten, haben wir uns irgendwann Anfang des Jahres für das Kind entschieden. Mit der Auflage, dass es einen Zweithund gibt, falls es mit Kind nicht klappt. Man muss sich ja Hintertüren offen lassen. Moppel beteiligte sich zwar nicht aktiv an der Diskussion, aber er fand beide Varianten nicht ganz so cool- da bin ich sicher.

Irgendwann Ende April erhöhte Moppel dann sein Kuschelbedürfnis. Er wartete immer bis ich auf der Seite lag, drückte dann seinen Pratzschädel an meinem Bauch entlang und ließ sich dann fallen. Ganz so, als wollte er in mich reinklettern. Ich habe mich darüber gefreut- schließlich ist der Schwarze normalerweise kein besonders ausdauernder Kuschler.

Anfang Mai erhielt ich dann die Erklärung für das was er tat. Nicht von der Trainerin- die Erklärung lieferte meine Frauenärztin bei einer Routineuntersuchung. Ich war schwanger! Und das Tier wusste es vor mir. Eigentlich typisch. So fein, wie er in manchen Situationen ist, so schwer von Begriff ist er in anderen.

Nach einem kurzen Schock, der im Nachhinein gar keiner war, habe ich es Benni erzählt. Dann meiner Trauzeugin, die spontan meinen Jungesellinnnenabschied, welcher für das nächste Wochenende anberaumt war, in alkoholfrei umstellen musste. Die dritte war dann aber auch schon die Trainerin, die ich mit der Bitte um einen Einzeltermin kontaktierte.

Das war nämlich unter anderem eine Absprache, die ich mit Benni hatte. Auch wenn sich für Moppel vieles ändern wird, so soll sich für ihn gar nichts ändern. Klingt verwirrend und das ist es auch. Soll aber am Ende nur bedeuten, dass ich die Zeit bis zur Geburt nutze will, um Dinge, die noch nicht passen, Stück für Stück zu ändern und nicht schlagartig, wenn das Kind dann da ist.

Trotz, dass es mir bis jetzt während der gesamten Schwangerschaft wirklich gut geht (kleine Wehwehchen zählen nicht), konnten wir erstmal gar nicht viel ändern. Manche Regeln wurden nochmal verschärft und das Gäste-/Kinderzimmer wurde für den Hund gestrichen. Das wars. Und so gingen Mai und Juni ins Land. Tatsächlich musste ich bisher mehr leiden als der Hund. Auf der Hochzeit gab es für mich nur Saft zum Anstoßen und das Carpaccio, was ich mir so sehr beim Buffet gewünscht hatte, war gestrichen. Immerhin hatte das Kleid trotz Bauchansatz gepasst. Und in Norwegen mussten wir die Wanderrouten streichen, weil mir seit Beginn der Schwangerschaft permanent die Luft fehlt.

Im Juli war dann endlich unser Einzeltermin und ich durfte mal alle Dinge aufzählen, die mir vor der Kombination Kind-Moppel Angst machten:

  • Moppel hütet das Kind.
  • Moppel hasst das Kind.
  • Moppel frisst das Kind.
  • Moppel bewacht das Kind.
  • Moppel langweilt sich.
  • Moppel zieht mich samt Kinderwagen durch die Straßen.
  • Moppel findet andere Hunde wieder blöder, weil wir den Kinderwagen dabei haben.
  • Moppel frisst die Hebamme.
  • Moppel hasst mich, weil ich das Kind anschleppe.
  • Moppels Training wird genullt, weil sich die Situation geändert hat.

Aber irgendwie entlockten meine Befürchtungen unserer Trainerin nur ein müdes Lächeln. Sie kennt uns ja nun eine Weile und weiß, dass in meinem Kopf immer mindestens 30 Horrorvisionen parallel laufen. Aber am Ende weiß auch sie, dass Moppel (wie ich) zur Übertreibung neigt.

Ein Beispiel: Ein fremder Hund bellt Moppel an.
Was der Hund meinte: „Hey ich find dich kacke.“
Was Moppel denkt: „Boah, der will mich fressen! Einen Zentimeter näher und der hätte mich in der Luft zerrissen.“
Was ich denke: „Ach du scheiße! Ein fremder Hund! Da lauf ich mal lieber einen möglichst großen Bogen, damit Moppel den nicht frisst.“

Manchmal ist es echt erstaunlich wie ähnlich Hund und Halter sich sind. Benni lacht uns deswegen übrigens auch manchmal aus. Die Horrrorvisionen teilt er nicht. Wir sind uns nur insoweit einig, dass Moppel dieses Kind nicht erziehen darf. Naja, vielleicht darf er es versuchen, wenn das Kind ein Teenager ist und wir feststellen, dass wir komplett versagt haben. Dann schlägt Moppels große Stunde. Doch bis dahin wollen wir es erstmal selbst probieren. Sonst haben wir am Ende ein Mitläufer-Kind mit Verfolgungswahn- ganz der Hund also.

Lange Rede- kurzer Sinn: Tatsächlich ändert sich für die schwarze Bestie gar nicht so viel. Das zukünftige Kinderzimmer bleibt gestrichen. Es gibt keine eigenständigen Bauch-Abcheck-Versuche mehr von ihm. Und wir sollen Decken und Spielzeug vom Kind überall in der Wohnung verteilen. Den Schritt gehen wir gleich an, wenn das Kinderzimmer steht und ein bisschen Ordnung eingekehrt ist.

Die Planung für nach der Geburt haben Benni und ich schon. Ich musste versprechen 4 Wochen zu Hause zu bleiben und nicht zur Hundeschule zu fahren. Benni übernimmt das. Er hat Glück, dass im Winter wahrscheinlich 2 unserer Kurse sowieso ruhen. Danach übernimmt er in den Frühschichtwochen den Kinderdienst und ich darf mit Moppel üben gehen. Und wenn das Wetter dann passt, darf der Wurm einfach mit. So der Plan.

Mein Plan war auch, dass ich in meinem Mutterschutz noch ein paar Kurse und Seminare extra Besuche. Schließlich habe ich ja Zeit. Jetzt kam das Programm raus und ich habe festgestellt, dass ich schon alles mindestens einmal belegt habe. Verdammt!

Dann wird halt zu Hause weitergeübt. Im Oktober ist der nächste Einzeltermin, um Moppel an den Kinderwagen heran zu führen. Ich bin gespannt! Auch wenn sich ein bisschen Angst beimischt, da der Termin bei uns stattfinden wird und hier ja Moppels ganz besonderen Freunde wohnen. Am Ende sitzt er vor lauter Panik im Wagen statt nebenher zu laufen.

Übrigens war auch eine unserer Aufgaben mit Moppel einfach mal nix zu tun. Einfach nur spazieren zu gehen oder ihn im Garten einfach mal nicht zu bespaßen. Besonders zu Hause gehe ich dieser Aufgabe intensiv nach. Wenn der Rücken mal wieder zu sehr zwickt, leg ich mich auf die Couch. Und manchmal, wenn er nicht danach fragt, hol ich Moppel dazu. Und dann wird gekuschelt. Manchmal legt er dann ganz vorsichtig seinen Kopf auf meinen Bauch, weniger als Kontrolle. Vielmehr weils bequem ist. Den Wurm freuts. Sein Kumpel ist wieder da. Da wird um sich getreten und geboxt bis der Mutti schlecht wird. Und Moppel? Der freut sich über die Kinnmassage, träumt und schnarcht vor sich hin. Und ich freu mich, dass alles gut wird und sich eine echte Männerfreundschaft zwischen den beiden entwickelt.

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